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Mein Kind will nicht essen

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Gastbeitrag von Doris Fink - Nach der theoretischen Einführung von letzter Woche in das Thema Babyschlaf, nimmt sich Expertin Doris Fink in diesem Beitrag eurer Fragen an.

Mein Baby, 5 Monate wacht nachts ständig auf. Was kann ich tun?

Es ist völlig normal, dass ein Kind mit 5 Monaten mehrmals wach wird, um seine Bedürfnisse zu melden. Die Schlafzyklen sind noch viel kürzer und zwischen diesen Zyklen ist dein Baby noch nicht in der Lage selbstständig wieder in den Schlaf zu finden. Es braucht in diesen Wachphasen Nahrung (Babys brauchen in diesem Altern auch nachts Nahrung – mehrere (Still)Mahlzeiten sind ganz normal), deine Nähe und Zuwendung.

Je öfter dein Baby die Erfahrung macht, dass es wach wird und seine wichtigste Bezugsperson (meist die Mama) ist da, desto besser kann dein Baby sich entspannen und wieder in den Schlaf finden. Das erste Lebensjahr ist geprägt von einer Aneinanderreihung von Meilensteinen in der Entwicklung – das Gehirn reift und arbeitet nachts auf Hochtouren – die Nähe, den Kontakt zu dir braucht es, um dieser Höchstleistung nachkommen zu können.

Wichtig ist, dass du die ohnehin herausfordernde Zeit für dich so angenehm wie möglich machst. Wenn es für euch passt, dann schlaft in einem Bett – so musst du nachts nicht aufstehen, dein Kind wird sofort merken, dass du da bist und muss nicht ganz wach werden. Du kannst es gleich stillen, Flasche geben,…

Erwiesenermaßen passt sich der mütterliche Schlaf dem des Babys nachts an.  Die Mama wird also nicht jedes mal aus einer Tiefschlafphase gerissen wenn das Baby sich meldet. Wenn du dein Kind stillst, dann stille es gerne in den Schlaf. Das ist die angenehmste, kompetenteste, wirkungsvollste Art und Weise für dein Kind einzuschlafen und du brauchst nicht aufzustehen. Einschlafstillen darf dein Kind so lange es möchte. Es wird dadurch nicht abhängig von dir oder gewöhnt sich an eine schlechte Einschlafmethode.

Ich wünsche mir von Herzen für jede wundervolle Mama da draußen wertschätzende Unterstützung, die sie auch verdient.

Bewährt hat sich in meinen Schlafberatungen das Erstellen einer sogenannten „Unterstützungsliste“.

Die kann folgendermaßen aussehen:

  • Für den Haushalt organisiere ich mir eine Reinigungskraft.
  • Zweimal die Woche bestelle ich Essen oder bitte Freunde, Großeltern zu kochen.
  • Abends wenn Papa heim kommt nehme ich ein Bad.
  • Einmal die Woche, nämlich Mittwoch um 14 Uhr habe ich einen „Termin“, (dieser Termin wird auch wirklich notiert) ein Date mit mir selbst. Hier mache ich das wozu ich gerade Lust habe.

Die Liste ist natürlich individuell und wird gemeinsam mit der Mama erstellt. Ziel ist es, dass die Mama aktiv für sich selbst sorgt um dann wieder Kraft, Energie und Geduld für ihr Kind zu haben.

In einer Schlafberatung werden Einzelheiten wie Schlafsituation, Tagesablauf uvm. erhoben.

 

Was kann ich tun damit mein Kind (2 Jahre) auch mit dem Papa schlafen geht, wenn ich zu Hause bin?

Je früher der Papa als vertraute Bindungsperson vom Kind erlebt wird, desto besser. Auch wenn er sich beim Stillen, Einschlafbegleitung nicht oder weniger gut beteiligen kann, ist seine Anwesenheit und Unterstützung von enormer Bedeutung. Das Kind wird die Geborgenheit, die es bei der Mama erfährt, mit dem spürbar anwesenden Papa verknüpfen, so dass es ihm dann leichter fällt wenn die Mama einmal nicht zur Verfügung steht. Wenn der Papa nachts übernimmt ist es vorerst zu erwarten, dass das Kind nach seiner Mama weint. Das bedeutet aber keineswegs, dass das Kind den Papa ablehnt. Das Kind würde ganz einfach in so einer unsicheren Situation wie der Nacht und des Einschlafens die Mama bevorzugen. An Mamas Körper kann sich das Kind am schnellsten beruhigen.

Ganz klar, dass diese Situation für Papas herausfordernd ist und sie sich Sorgen machen, dass dies so bleiben wird. Wichtig ist hier aber nicht vorschnell aufzugeben und die Beziehung langsam aber sicher aufzubauen.

 

Wann soll die Flasche nachts abgewöhnt werden?

Wenn es sich um Pre-Nahrung handelt, dann kann das Kind gerne auch nachts seine Flasche bekommen, wenn es diese möchte. Vor allem im ersten, aber auch im 2. Lebensjahr brauchen Kinder noch nachts Nahrung. Es ist immer das Gesamtpaket das Kinder einfordern. Ein Paket aus Nähe, Zuwendung, Liebe und Nahrung. Anders wie bei Muttermilch – gestillt werden darf uneingeschränkt so oft das Kind es möchte- sollte Pre Nahrung möglichst den Tagesbedarf laut Packungsinformation nicht überschreiten, da die Zusammensetzung der Pre-Nahrung anders ist als bei Muttermilch.

 Wann der Zeitpunkt gekommen ist die Flasche „abzugewöhnen“ entscheidet die Familie. Statt der Milchflasche kann immer wieder Wasserflasche angeboten werden. Ein Kind dessen Beziehungs- und Bindungskonto aufgefüllt ist, wird wenn es so weit ist gut ohne Milchflasche nachts zurechtkommen.

Die Problematik Karies durch die nächtliche Flasche sind ein anderes Thema.

 

Mein Baby ist 8 Wochen alt (Sectio). Es findet nur schwer in den Schlaf – ist das normal?

Mit 8 Wochen darf dein Baby noch in dieser Welt ankommen. Vor allem die Abendstunden nutzt dein Baby, um Erlebtes aufzuarbeiten. Oft mit Weinen, Unruhe, viel stillen… erzählt es dir was es alles erlebt hat. Vielleicht von der Geburt, vielleicht von der Zeit im Mutterleib, vielleicht vom heutigen Nachmittag als Besuch da war. Man weiß es nicht. Indem du für dein Kind da bist, es trägst, stillst und begleitest, unterstützt du dein Baby ganz wunderbar beim „ankommen“ in diese Welt. 

 

Seit mein Baby 4 Monate alt ist wird das Schlafen immer schlechter, findet nur mit Flasche in den Schlaf – was können wir tun?

Mit 4 Monaten erreicht dein Baby Meilensteine in seiner Entwicklung. Alles was um ihn herum passiert nimmt es nun viel aufmerksamer wahr. Diese Erlebnisse, die verbunden sind mit Höchstleistungen des Gehirns müssen verarbeitet werden. Dies geht oft mit herausfordernden Schlafphasen einher. Oft werde ich von Müttern kontaktiert, die von ihren 4 Monate alten Babys berichten, die plötzlich schlechter schlafen. Verständlich, dass man sich Sorgen macht. Diese Phasen tragen zur normalen kindlichen Schlafentwicklung bei und sind wichtig. Dass dein Kind beim Einschlafen die Flasche trinken möchte ist ganz normal und vollkommen in Ordnung. Saugen ist ein Grundbedürfnis für die Kleinen – egal ob sie an der Brust saugen oder an der Flasche – dieses Bedürfnis muss befriedigt werden können.

Schaut wie ihr eure Schlafsituation so angenehm wie möglich machen könnt. Gebt eurem Kind viel Sicherheit, Stabilität und Nähe. Gleicher Schlafplatz, gleiche Bezugsperson, mit dem Kind mitschlafen so oft es nur möglich ist.

Ansonsten gelten auch hier dieselben Empfehlungen rund um das Thema Selbstfürsorge wie oben.

 

Mein Kind ist 2 Jahre und kann ohne Brust nicht einschlafen – was tun?

Das Einschlafen an der Brust bietet für den Säugling aber auch für das ältere Stillkind zahlreiche Vorteile und ist niemals eine „schlechte Angewohnheit“.  Es ist wohl die kompetenteste Art und Weise in den Schlaf über zu treten die sich ein Kind nur aussuchen kann. Warum sollte es von sich aus so eine beruhigende, geborgenheitsvermittelnde Einschlafmethode aufgeben? Einzige Voraussetzung dafür ist, dass es für Mama und Kind in Ordnung ist.

Passt es für einen nicht mehr, also in diesem Fall für die Mama, dann muss etwas verändert werden. Die Mama kann sich zum Beispiel dafür entscheiden nachts nicht mehr zu stillen. (Wenn möglich nach dem 1. Lebensjahr) Wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass die Mama das auch wirklich möchte und voll und ganz dahinter steht. Das Kind darf protestieren, weinen, wütend und traurig sein. Das ist sein gutes Recht. So ein geliebtes Einschlafritual zu verändern braucht Zeit, Geduld und ganz viel Verständnis.

Wie das nächtliche Abstillen genau aussehen kann, muss individuell betrachtet werden.

 

Was ist die“ Ferber-Methode“?

Vielen Eltern wird von Fachleuten oder Bekannten das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ empfohlen. Sein Inhalt basiert u. a. auf der sogenannten Ferber-Methode, die zu Recht sehr umstritten ist. Ein Schlaftraining ist eine verhaltenstherapeutische oder Konditionierungs-Maßnahme und entstammt ursprünglich der Tierdressur. Ziel ist es, dass ein Baby oder Kleinkind lernt, ohne Hilfe ein- und durchzuschlafen. Dazu wird es abends alleine in sein Bettchen gelegt und nach einem festen Zeitplan schreien gelassen. Die Eltern dürfen nach diesen Warte-/Schreiphasen für 2 Minuten zu ihrem Kind gehen, dürfen es aber nicht aus seinem Bett nehmen. Diese Behandlung wird so lange (wenn nötig 2 Wochen) durchgeführt, bis das Kind die neuen Bedingungen akzeptiert. („Erlernte Hilflosigkeit“)

Eltern die bei ihrem Kind ein Schlaftraining durchgezogen haben, berichten kurzfristig zwar oft von „Erfolg“. Längerfristig ist die Tendenz zu Rückfällen im kindlichen Schlafverhalten jedoch auffällig. Folgen können sein: Große Trennungsängste, verstärkte Schlafprobleme, Essstörungen, ungewolltes Abstillen, vermehrte Anhänglichkeit, Apathie und aggressives Verhalten. Die Eltern leiden zudem oft noch lange unter Schuld- und Versagensgefühlen. Ein Schlaftraining sollte daher niemals leichtsinnig und eigenhändig durchgeführt werden!

Aus ethischen Gründen ist es nicht möglich, eine aussagekräftige wissenschaftliche Studie zu machen, um die Nebenwirkungen der Ferber-Methode klar zu definieren. Erkenntnisse aus der Bindungs- und Hirnforschung liefern aber genügend überzeugende Hinweise, dass eine solche Methode für die kindliche Entwicklung keineswegs gut sein kann.

Viele Eltern sind (glücklicherweise) nicht fähig, ihr Kind zu „ferbern“ und mehrere Nächte lang schreiend sich selbst zu überlassen. Sie spüren instinktiv, dass ein solches Vorgehen ihrem Kind schadet. Es fehlt ihnen jedoch oft an Argumenten. Deshalb ist 2010 die Broschüre „Kinder brauchen uns auch nachts – Warum Schlaftrainings nicht empfehlenswert sind“ entstanden. Darin kommen 20 Experten zu Wort, die von der Ferber – Methode abraten. „ (Handbuch 1001 Kindernacht, 2019, S73)

„Kinder brauchen uns auch nachts“ gratis Download auf www.kindernacht.ch unter „Vorsicht ferbern“

 

Zum Schluss noch ein paar persönliche Worte von mir:

Ich persönlich wünsche mir eine Zukunft in Frieden. Das ist meiner Meinung nach, keine Frage der Erziehung.

Ein friedliches, harmonisches Miteinander ist unabhängig davon, ob es sich um kleine oder große Menschen handelt. Es ist immer eine Frage der guten Beziehung. Und ja, das ist Arbeit. Nämlich Arbeit vor allem an sich selbst. Jede Mama möchte von Anfang an die beste Mamaversion für sein Kind sein. Aber ist es nicht viel wichtiger authentisch zu sein und seinen eigenen Weg zu finden? Einen reflektierten Weg unabhängig davon was uns die Gesellschaft vorgibt.

Wer wir heute sind, sind wir aus verschiedenen Gründen. Diese finden wir in unserer Vergangenheit, deshalb lässt es sich nicht vermeiden, sich spätestens als Eltern mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wenn ich nämlich weiß, wer ich warum bin, habe ich auch die Möglichkeit zu entscheiden wer ich sein werden oder bleiben will.  Vorbild sein, bedingungslose Liebe und Werte vorleben. Das ist es was Kinder meiner Meinung nach vor allem brauchen. 

Wenn wir unseren Fokus auf eine gute Beziehung zu unseren Kindern richten, dann erübrigt sich jede weitere Erziehung. Methoden der Erziehung wie Übergriffigkeit und Manipulation werden dann nicht mehr benötigt.

Tiefer ehrlicher Respekt vor jedem Menschen und Lebewesen – daran arbeite ich täglich und das möchte ich auch in meinen Schlafberatungen sowie Stillberatungen weitergeben.

Das Recht auf Autonomie, Integrität und Gleichwürdigkeit ist nämlich keine Frage des Alters!

Wenn ihr meine Unterstützung rund um das Thema Schlaf oder Stillen wünscht, dann kontaktiert mich gerne unter: www.beziehungsweg.at oder beziehungsweg@gmail.com

Ich freue mich sehr euch auf euren Weg begleiten zu dürfen.

 

Über Doris Fink:

Ich bin Doris, Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester, Stillberaterin und Schlafberaterin nach 1001 Kindernacht. Nach der Geburt meiner Tochter habe ich mich dazu entschlossen dem Stationsalltag den Rücken zu kehren und meinem „Herzensweg“ zu folgen und mich als Stillberaterin und Schlafberaterin selbstständig zu machen. Im Fokus meiner Arbeit steht ganz klar der bindungs- und beziehungsorientierte Ansatz.

Privat bin ich stolze Mama von einer wunderbaren 4 jährigen Tochter und glücklich verheiratet.

 

 

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