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Streit kommt in den besten Familien vor. Wir haben alle mal einen schlechten Tag oder es gibt bestimmte Themen wo - nennen wir es - Uneinigkeit besteht. Konflikte sind dann vorprogrammiert. Egal ob unter Erwachsenen oder mit den Kindern. 



Streit ist nichts Schlechtes, wenn man "richtig" streitet. Gerade auch für Kinder ist es wichtig zu lernen, wie sie mit Konflikten umgehen und wie sie beendet werden können.

Das sagt der DUDEN: Konflikt: durch das Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen o.ä. entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führen kann.


Foto: Screenshot Duden 

Gerade im Zusammenleben als frischgebackene Eltern oder mit Kleinkindern, die ihre Autonomie entdecken (also mitten in der Trotzphase sind), sind unterschiedliche Auffassungen und Interessen an der Tagesordnung.

An manchen Tagen schaffen wir als Mama oder Papa es geduldig, dem Kind den richtigen Becher zu geben und es ist auch genug Zeit, dass sich das Kind selbst anzieht. Aber manchmal entsteht Stress, vor allem wenn man es eilig hat und das Kind natürlich noch keinen Begriff davon hat, was das bedeutet. Es will eben die Schuhe selbst anziehen oder noch weiter spielen.

Bei den Eltern steigt indes die Spannung und entlädt sich bisweilen in Ärger und Wut. In solchen Situationen sind unsere psychischen Fähigkeiten eingeschränkt. Emotionen leiten uns und wir denken nicht mehr rational. Nicht immer hilft es tief durchzuatmen und bis zehn zu zählen. Oft fallen wir in alte Muster zurück, die wir aus unserer Kindheit kennen und wir werden laut...

Eltern von Kleinkindern stören sich an unterschiedlichen Themen: Laut einer Studie des Österreichischen Institutes für Familienforschung ist Unordnung das Hauptthema, weswegen es zu Diskussionen zwischen Eltern und Kindern kommt. An zweiter Stelle kommt der Medienkonsum: In fast 20 Prozent der Haushalte wird darüber gestritten. (Weiterlesen: unser Beitrag über Medienkonsum bei Kleinkindern)




Interessant ist auch, dass sich Männer über andere Sachen als Frauen aufregen: Während sich Väter mit ihren Kindern gern über Gehorsam und Freizeitgestaltung streiten, ist das für Frauen kaum ein Grund für Konflikte. Mütter diskutieren über das Einhalten von Schlafenszeiten - für keinen einzigen Vater ein Problem - oder die Mithilfe im Haushalt (was gerade mal 0,3 Prozent der Männer nerven). Zur Studie
Wichtig ist wie so oft, dass wir als Eltern als gutes Vorbild vorausgehen.


So streitet man richtig: Ein paar Grundsätze für den Streit zwischen Eltern und Kindern

Als Eltern haben wir eine besonders wichtige Rolle: Wir wollen natürlich, dass sich unsere Kinder zu selbstbewussten Individuen entwickeln und wir wollen ihnen Raum dazu geben. Gleichzeitig müssen wir Autorität zeigen und ihnen Grenzen setzen. Ein schwieriges Terrain auf dem wir uns hier bewegen und es gibt leider kein Patentrezept für die Konfliktlösung. Jedes Kind ist anders, jeder Elternteil ist anders.

Du hast bestimmt einige Elternratgeber gelesen. Immer wieder ist von Grenzen die Rede. Wir als Eltern haben eine gewisse Führungsrolle und müssen unsere Kinder begleiten. Auch wenn wir das Wort "Nein" wohldosiert und überlegt einsetzten sollten, manchmal ist es notwendig - schon allein zum Schutz von Kleinkindern.

Schau aber auf dein Kind und höre ihm zu: Gerade bei Kleinkindern sollten wir uns immer wieder fragen "warum tut es das?". Es ist wichtig, sich erst in das Kind hineinzuversetzen bevor ein Konflikt aufkommt. Gerade in der kindlichen Entwicklung ist Wertschätzung essentiell. Kinder wollen kooperieren mit ihren Eltern. Eltern sind für sie ein zuverlässiger Partner. Und wenn es zu Streit kommt, gerät die Welt der Kleinen ins Wanken.

Zuhören, zuhören, zuhören: Nicht immer ist es so wie es scheint. Frag dein Kind nach dem Warum. Und versuche es zu verstehen. Auch Kinder wünschen sich Respekt und Verständnis. Überlege immer wie du mit deiner besten Freundin/deinem besten Freund reden würdest. Vieles, dass wir unseren Kindern so an den Kopf werfen, würden wir zu unseren Freunden niemals sagen. Dieser Ansatz ist eine gute Strategie, um respektvoll mit seinen Kindern zu sprechen.

Vermeide Drohungen und "wenn, dann"-Sätze: Je nach Alter der Kinder sind unterschiedliche Strategien möglich, aber vermeide Drohungen. Kinder sind an sich kooperativ und drohen hilft vielfach, schadet aber der Beziehung zu deinem Kind. Versuche die Konsequenzen aufzuzeigen (wie gesagt, je nach Alter funktioniert das meist gut).

Nicht die Person kritisieren, sondern das Verhalten. Da wären wir wieder beim Selbstwertgefühl. Kritisiere nicht dein Kind, sondern sein Verhalten. Sag nicht "Du nervst/störst oder sonstwas" Sondern beschreibe was dich am Verhalten stört. Das wird dein Kind auch eher verstehen, als pauschale Kritik an seiner Person.

Lass deine Kinder bei der Konfliktlösung teilhaben. Frag sie wie ihr das Problem lösen könnt. Oft kommen gute und brauchbare Lösungsansätze.

Wir sind Vorbild! Das kann gar nicht oft genug gesagt werden, wir sind unseren Kindern Vorbild in vielen Belangen -  so natürlich auch bei der Konfliktlösung. Was sagst du deinem Kind, wie es Konflikte im Kindergarten bzw. in der Schule lösen soll?!


Familienkonferenz nach Gordon

Eine genaue Richtlinie wie man Konflikte richtig löst gibt es leider nicht - dann gäbe es ja keine mehr. Einen guten Ansatz, der sich auch im der Kommunikation innerhalb der Familie gut umsetzen lässt, hat der amerikanische Psychologe Thomas Gordon entworfen und in seinem Buch "Die neue Familienkonferenz" beschrieben.

Zentral in seinem Modell ist der Ansatz, dass erst geklärt wird WER das Problem hat. Oft ist es nämlich nicht das Kind, sondern ein Elternteil der ein Problem hat. Dem Kind wird nicht kalt ohne Haube, aber die Mutter besteht darauf und hat ein Problem damit das Kind ohne Haube aus dem Haus zu lassen. 

Wenn ICH das Problem habe (und nicht das Kind)

Wenn wir so überlegen, hat ja oft nicht das Kind ein Problem, sondern wir. Wir müssen zu einem Termin, wir haben es eilig, wir befürchten, dass dem Kinder zu kalt wird ohne Haube, wir wollen das das Kind Brokkoli isst...

Daher sollten wir das auch so benennen - mit Ich-Botschaften. Davon hast du sicher schon gelesen, es bedarf aber einiger Übung, dass auch im Alltag umzusetzen. Gerade gegenüber deinem Kleinkind ist es oft wichtig zu sagen wie es dir geht in einer Situation. Das du es eilig hast, das du müde bist, dass du dich sorgst um die Gesundheit deines Kindes.

Wenn du deinem Kind erklärst, dass du nicht möchtest, dass es krank wird und es deshalb eine Haube aufsetzen soll, dann wird es das eher tun, als wenn du es einfach machst oder gar befiehlst. Gerade beim Essen ist das so ein Thema: Magst du alles? Wohl eher nicht, daher muss auch dein Kind nicht alles mögen. Geschmäcker sind eben verschieden. Biete deinem Kinder unterschiedliche Nahrungsmittel (immer wieder) an, aber zwinge es nicht zum essen. Geschmäcker ändern sich auch, vertraue auf dein Kind, dass es weiß, was er in Bezug auf seine Ernährung braucht.


Das Modell von Gordon

Das Buch "Die neue Familienkonferenz" von Gordon können wir sehr empfehlen. Hier ein Überblick über sein Modell (Quelle: Wiki)

Aktives Zuhören: Aktives Zuhören schreibt die Fähigkeit, Meinungen und Gefühle von Gruppenmitgliedern zu reflektieren. Ein wichtiges Ziel des aktiven Zuhörens ist es, das Gruppenmitglied oder das Kind dazu anzuleiten, die eigenen Probleme zu verstehen und Problemlösungen selber herzuleiten. Ein wichtiges Element dabei ist es, Gesagtes mit eigenen Worten zu wiederholen.

Ich-Botschaften: Ich-Botschaften sind neutrale, sachliche Aussagen, durch welche der Sprecher dem Angesprochenen etwas über sich selbst mitteilt. Das kann eine Aussage über ein Gefühl oder einen Zustand sein (z. B. "Ich bin zu müde etwas zu spielen") oder es kann beschreiben, welche Auswirkung eine Handlungsweise des Angesprochenen auf den Sprecher hatte oder haben kännte (z. B. "Wenn du Sand aus dem Sandkasten auf meinen Läufer wirfst, muss ich eine Zeit damit zubringen, ihn zu putzen und das mag ich nicht").

Umschalten (shifting gears): Das Ziel von Ich-Botschaften kann es sein, einem Kind ein Problem bewusst zu machen, so dass es das Problem erkennt und vielleicht auch emotional als eigenes Problem anerkennt. Wenn ein Kind ein Problem als eigenes Problem akzeptiert hat, ist der Weg zur Problemlösung das aktive Zuhören seines Gesprächspartners. Der Wechsel von Ich-Botschaften zu aktivem Zuhören wird als Umschalten bezeichnet. 

Niederlagelose Konfliktlösung: Diese Kategorie - auch Win-Win-Konfliktlösung - des Gordon Modells geht zurück auf die von John Dewey entwickelten 'sechs Schritte zur kreativen Lösung von Konflikten'. 

Das Verhaltens-Fenster: Gordon veranschaulicht die möglichen Verhaltensweisen eines Kindes graphisch indem er es in einem Rechteck darstellt. Dieses Rechteck nennt er Verhaltensfenster. Dieses Rechteck lässt sich später in erwünschtes und unerwünschtes Verhalten unterteilen. Dieses Konzept dient dazu, Akzeptanz und Problembesitz einzuordnen. Ist ein Verhalten zwar für den beobachtenden Elternteil akzeptabel, aber für das Kind nicht, besitzt das Kind ein Problem und der Lösungsansatz ist "aktives Zuhören". Ist das Verhalten für den Elternteil inakzeptabel, wird zwischen Bedürfniskonflikt und Wertekonflikt unterschieden. Im Fall eines Bedürfniskonfliktes kann der Elternteil durch Ich-Botschaften seine Bedürfnisse kommunizieren. Im Fall eines Wertekonfliktes besteht das Problem, dass der Elternteil dem Kind kein berechtigtes Interesse verständlich machen kann. In diesem Fall werden "machtlose" Wege der Konfliktlösung empfohlen.

 

Buch-Tipp zum Thema


Die Neue Familienkonferenz, Kinder erziehen ohne zu strafen, Taschenbuch, 352 Seiten, 10,30 Euro 


Quellen und Lesetipps:
 

https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/wie-streitet-man-richtig?page=all&print=true
http://www.geo.de/magazine/geo-wissen/16297-rtkl-erziehung-die-wichtigsten-grundsaetze-fuer-den-streit-zwischen-eltern

 

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