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Wird wohl „Entschleunigung“ das Wort des Jahres 2020 werden, so BE-schleunigt diese Ausnahmesituation auch so manches: Nämlich das, was schon vorher da war und geschlummert hat. Krise ist ein Phänomen, das in Paarbeziehungen fast zyklisch wiederkehrt. Eine Paarbeziehung kann durchaus ein sicherer Hafen in stürmischen Zeiten sein; eine Paarbeziehung ist aber - so wie Familie - zu allererst eine Menschenwachstumsmaschine.

Du kannst dir das so vorstellen: Stell dir deine Familie inklusive dich selbst vor. Lass euch alle vor deinem geistigen Auge entstehen. Stell euch, sagen wir, ins Wohnzimmer. Jetzt stell dir vor, jedes Familienmitglied steht in einem Kreis, der die persönlichen Grenzen veranschaulichen soll. Jetzt lass alle Beteiligten ihren Kreis, ihre Grenzen mit beiden Händen hochheben und damit im Wohnzimmer herumgehen. Was wird passieren? Genau! Wenn nicht alle gut aufpassen, dann wird es Kollisionen geben. Manche werden sich auch bewusst aus dem Weg gehen. Andere wiederum steuern wie beim Autodrom direkt auf dich zu und genießen den Zusammenstoß. DAS ist das Bild einer dynamischen Familie, die sich aneinander miteinander entwickelt: Wieviel Raum habe ich? Wie gehe ich mit den Grenzen von andern um? Wie wird mit meinen Grenzen umgegangen? Wie gehe ich mit den andern um? Oder: „Hilfe?! Wo ist mein Kreis überhaupt? Ich hüpfe nur von einem Kreis in den andern!“

Üblicherweise trennen sich unsere Wege ja täglich. Wir gehen in die Arbeit, in Schule und Kindergarten oder können es uns aussuchen, wann wir mit welchen Kreis Kontakt haben. Oder zumindest wissen wir, dass es Abwechslung gibt, dass wir einander aus dem Weg gehen können. Das ist jetzt nicht mehr so. Vielleicht gelingt es noch, doch in ein eigenes Zimmer zurückzuziehen - aber wir sind unfreiwillig zusammen. Fremdbestimmung macht uns nicht unbedingt entspannter. Wenn sich dazu noch existenzielle Ängste dazugesellen, dann ist Selbstmanagement gefragt, um nicht a) alle in deinen Kreis hinein zu zwingen damit sie sich so verhalten, dass es dir wieder gut geht oder um nicht b) wie wild mit deinem Kreis um dich zu schlagen.

Normalerweise bleiben wir im Alltag an der Oberfläche
In der wenigen Zeit, die wir üblicherweise miteinander haben, ist es auch noch einfach Konflikte zu vermeiden, in dem wir einfach nur über Themen sprechen, wo wir wissen, dass wir die gleiche Ansicht vertreten: Wie fantastisch unsere Kinder sind, wie schwierig die Schwiegermutter ist und wie herausfordernd die Arbeit. Für die „heißen“ Themen, in denen Uneinigkeit herrscht, fehlt dann oft die Zeit: „Ach, schade, Schatz. Jetzt müssen wir nach Hause gehen, den Babysitter ablösen!“ Zu echter Intimität, so wie es in Jesper Juuls Zitat beschrieben wird, kommt es gar nicht mehr: „Wenn man 2-3 Stunden zusammen ist und über das gesprochen hat, worüber man sprechen musste, tritt erst einmal Stille ein. Danach beginnt man, Dinge zu sagen, die man sich selbst noch nicht sagen gehört hat. Erst in diesem Moment entsteht Nähe und Intimität, alles andere ist in der Regel oberflächliches Geschwätz.“ Wir bleiben im Alltag an der Oberfläche.

Nun sind uns in dieser Zeit alle „Fluchtwege“ genommen: Der Sportverein, das kleine Bier nach der Arbeit, der Sport, die beste Freundin, die Affäre. Es gibt keine Ausreden mehr, die „Off-Limits“ Themen kommen an die Oberfläche - und die Situation spitzt sich zu. Jesper Juul hat das einmal „Rücksichtsnahmeentzündung“ genannt. Wenn wir den anderen schonen, wichtiger nehmen als uns selbst und irgendwie das ganze kompensieren. Irgendwann geht sich das nicht mehr aus. Jetzt heißt es: Farbe bekennen. Weil Dinge sichtbar werden, die zuvor gut unter dem Teppich gewohnt haben. Es wird wie wild ausgemistet und geputzt - auch in Beziehungen. Es ist Zeit für Inventur. Es ist Zeit, sich zu überlegen, in welchem Klima ich leben will. Ob ich gerne Beziehungslurch unterm Ehebett habe, oder ob ich endlich anspreche, dass ich mich mit einem zölibatären Leben nicht mehr abfinden will; ob ich mich endlich deklariere und mich entscheide, nie wieder zu meinen Schwiegereltern zu fahren; ob ich endlich zu meiner Wahrheit stehe, die da lautet: Ich liebe und begehre dich nicht mehr - es gibt nämlich jetzt keine Ausreden mehr.

Wir alle werden in diesen Tagen mit der Endlichkeit und Unkontrollierbarkeit des Lebens konfrontiert. Das englische Wort „surrender“ beschreibt es wohl am besten, was jetzt angesagt ist: Sich der Realität, seiner eignen Wahrheit stellen mit Hingaben. Was wir nämlich gestalten können ist, wie wir sein wollen, und wie wir mit wem leben wollen. Das können wir jetzt auf den Tisch legen und unser Gegenüber einladen, dazu Stellung zu beziehen. Und genau das bedeutet für viele Beziehungen das Aus - ein Ende der Stagnation, ein Ende in einem lieblosen Leben und der Verlust des Ideals „Familie“. Für viele andere aber bedeutet es ein Eintreten in eine neue gemeinsame Umlaufbahn, in etwas Unbekanntes.

Für mich als Paar- und Familiencoach steht die persönliche Weiterentwicklung des/der Einzelnen im Vordergrund, denn daraus resultiert die Paarbeziehung und daraus wieder die Familie. Zur Ermutigung, genau dies zu tun, möchte ich mit einem Zitat enden und ermutige alle Paare das nächste Gespräch wie folgt einzuleiten:

"Ich kann nicht voraussetzen, dass du meine Sicht der Dinge teilst. Du bist nicht auf der Welt, um mich zu bestätigen und mir zu sagen, dass ich alles richtig mache. Ich will aber, dass du mich liebst – und das geht nur, wenn du mich wirklich kennst.

Ich will nicht, dass du mich ablehnst – aber ich muss das riskieren, wenn ich mich bei dir wirklich angenommen und geborgen fühlen möchte.

Es ist an der Zeit, mich dir so zu zeigen, wie ich bin und empfinde und mich der Tatsache zu stellen, dass ich ein von dir getrenntes, sterbliches Wesen bin. Eines Tages werden wir nicht mehr zusammen sein, und ich wünsche mir, dass du mich dann wirklich gekannt hast.“

(David Schnarch, Psychologie der sexuellen Leidenschaft)

 

Wie Sandra ganz persönlich durch diese Krise geht

Meine Kinder sind groß. Ich muss mit ihnen keinen Tagesablauf gestalten. Sie übernehmen für ihren Job (Schule/Ausbildung) selbst Verantwortung. In diesen Tagen wohnen sie auch nicht bei mir, sondern zusammen. Warum? Weil wir gemäß unserer Grenzen leben und wissen, dass wir einander zu viel wären. Ja, da bin ich im Vorteil - und musste mich auch dem Abschiedssschmerz stellen, als sie dann plötzlich alle weg waren. Atmen. Ein- und aus.

Mein Rat an Familien ist - neben dem oben erwähnten - sich eine Struktur zu schaffen, die Orientierung gibt und in der sie flexibel sein können. Mehr denn je ist Teamwork gefragt, das zu tun, was getan werden muss. Und oft braucht es genau dazu eine andere, persönliche Krise. Meine Ermutigung: Der Weg raus ist der Weg durch! Vermeidet die Konflikte nicht - stellt euch.

Wenn Eltern in dieser Zeit in die Krise kommen, stehen wir und viele andere Coaches online zur Verfügung! Mein Appell: Bitte scheut euch nicht, uns zu kontaktieren! Auch finanziell werden wir Lösungen finden - meist ist diese Investition die, die schlimmere Kosten und Spätfolgen verhindert.

Was ich in diesen Tagen als Coach leisten kann: Ich gebe keine Tipps zur Kinderbeschäftigung. Ich begleite zur Zeit online mit meinem Freund und Kollegen eine einmonatige „Entelterungs-Webinar-Reihe/Reise“ und gehe mit der Webinar-Reihe „Familie in Bewegung: Aufbruch in eine neue Beziehungskultur“ in die zweite Runde. Hier passiert genau DAS, was ich schon angesprochen habe: Ermutigung zum Selbstkontakt und ins Tun kommen. Weil: Liebe ist eine Entscheidung. Auch die, zu dir selbst.

In diesem Sinn freuen wir uns, wenn auch DU dabei bist!

 

Über Mag. Sandra Teml: Sandra ist Familienberaterin und Coach, und beschäftigt sich viel mit dem Thema "Beziehung", und zwar aus verschiedenen Blickwinkeln. Bei ihr findest du einerseits Unterstützung im Rahmen von Einzel- und Paarcoachings, sowie Eltern- und Familienberatung. 

zur ihrer Webseite: wertschaetzungszone.at

 

Buchempfehlungen:

Mik & Teml-Jetter: Mama, nicht schreien!

Juul: Aggression

Schnarch: Die Psychologie der sexuellen Leidenschaft

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