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Es gibt so viele Mütter, die glauben nicht, dass das, was sie tun, wirklich genug und richtig gut ist. Nadine Hilmar wünscht sich, dass dieses Zweifeln aufhört. Daher auch der Titel ihres neuen Buchs: "Es ist genug, Mama: Den Alltag meister ohne auszubrennen".

Dieses Buch soll Müttern einen Weg aufzeigen, wie sie den Alltag mit Kindern gut meistern können, ohne sich dabei komplett selbst aufzugeben, wie sie ausgeglichen und zufrieden den Bedürfnissen aller begegnen können. Neben persönlichen Erzählungen, Einblicken in die Welt der Achtsamkeit und zahlreichen alltagstauglichen Übungen, gibt es am Ende einen 8-Wochen-Kurs, der helfen soll, wieder zu sich selbst und dem, was wirklich wichtig ist, zurückzufinden. Wir haben mit Nadine gesprochen:

Es ist genug, Mama – so der Titel. Wie kam es zu dem Buch?

Ich habe natürlich auch viele Ratgeber gelesen und immer wieder ging es darum, wie wir mit den Kindern besser umgehen können, wie wir Konflikte lösen können oder gewisse Phasen besser überstehen können. Gleichzeitig bin nicht nur ich, sondern sind auch so viele Mütter in meinem Umfeld dauerhaft erschöpft gewesen. Und ich hab immer gedacht: Die Mütter brauchen Unterstützung für sich, nicht für die Erziehung. Denn wenn es ihnen besser geht, dann entstehen viele Konflikte gar nicht erst. Und auch in meinen Online Beratungen hatte ich viele Mütter, wo ich gemerkt habe: Deren Konflikte, Sorgen und Probleme ruhen in ihnen und ihrer Überlastung, nicht im Kind. Und weil ich gerade diese Achtsamkeitskurse (MBSR, MBCL*)) begonnen hatte, merkte ich: Das ist eine Quelle. Das ist es, was wir alle brauchen. Aber abgewandelt auf uns Mütter, auf unseren Alltag. Denn wann immer jemand sagte man brauche eine gute Morgenroutine mit Yoga und Meditation im Morgengrauen, graute mir... Das war nicht elterntauglich. Wir brauchen was anderes. Also überlegte ich, wie das für Mütter gehen könnte. Und dann begann ich zu schreiben.... Und mir war wichtig, den Müttern zu vermitteln: Es ist genug. Denn so viele Mütter glauben das nicht - dass das, was sie tun, wirklich genug und richtig gut ist. Sie hadern alle, ich wünsche mir so sehr, dass das aufhört. Daher auch der Titel zum Buch.


Wie geht es dir in der momentanen Situation (Corona Quarantäne) mit drei Kindern zuhause?
Derzeit noch ganz gut (Anmerkung: Es ist die 1. Woche). Ich versuche nicht darüber nachzudenken wie lange das dauern könnte und gehe da Tag für Tag durch. Ich schaue, wie die Stimmung ist. Wenn - so wie gestern - mal nichts geht bei den Schulsachen, machen wir Lernpause. Die Kinder spielen viel und wir haben ja das Glück einen Balkon und Dachgarten zu haben. Bisher machen auch die Kinder das erstaunlich gut mit. Ich habe mir ein paar kreative Projekte daheim überlegt, an denen ich immer mal wieder arbeite, wenn die Kinder spielen. Aber ich sehe auch, dass ich weniger konzentriert bin, sehr unruhig innerlich. Das gehört akzeptiert und eingesehen, dass wir hier nicht „normal" funktionieren alle.


Wie können wir unserem Kind oder gar mehreren Kindern gerecht werden?
Das ist wohl die häufigste Frage, die auftaucht. Ich denke, dass es immer wieder darum geht alle Bedürfnisse in jeder Situation abzuwägen. Was ist jetzt besonders wichtig, was kann warten? Ein Neugeborenes kann nicht warten, deshalb müssen wir Eltern da am Anfang viel zurückstecken. Aber ein Dreijähriger kann auch mal fünf Minuten warten, wenn ich was fertig machen will, was gerade wichtig ist. Er kann auch mal hören: Ich will jetzt hier meinen Kaffee trinken, dann bin ich wieder für dich da. Er wird davon nicht traumatisiert. Das ist so eine Grundangst in uns Eltern: Wir können doch dem Kind die Wünsche nicht verwehren. Aber genau das muss auch mal möglich sein, wenn wir das brauchen. Und das darf möglich sein! Vor allem dürfen und müssen Kinder auch erleben: Die Mama achtet auf ihre Bedürfnisse und nimmt sich auch ernst. Kein Kind hat etwas von Eltern, die sich komplett verausgaben, damit all seine Bedürfnisse erfüllt sind. Es ist wichtig „Nein" sagen zu können, vor allem bei mehreren Kindern. Dei meisten Eltern rutschen ja in diese Erschöpfung, weil sie immer springen für ihre Kinder, immer ihre Wünsche erfüllen, immer alles liegen lassen und sich erst einmal um das Kind kümmern. Sie stellen sich hinten an. Das geht auf Dauer nicht gut.

Bei Geschwisterkindern ist es wichtig, dass wir immer wieder schauen: Wer braucht was? Wer steht gerade wo? Da kann man auch recht bald mit den Kindern verhandeln. Eines will auf den Spielplatz, das andere nicht. Was tun? Die Kinder sind da oft lösungsorientierter unterwegs als wir. Fragen wir sie!

 
Warum machen wir uns so einen Stress?
Der Stress kommt oft von außen. Vor allem aus dem Internet. Sobald wir schwanger sind, hängen wir ständig in Mamagruppen und auf Blogs ab und erfahren was das Beste, das Tollste und vor allem das Wichtigste ist. Dass diese Bilder meistens verzerrt sind, die wir da sehen, ist uns nicht bewusst. Es sind Momentaufnahmen. Die wenigsten BloggerInnen schreiben darüber, wie es mal richtig mies läuft. Es geht immer nur darum, was toll ist. Also versuchen wir das auch so hinzukriegen und zu schaffen und dabei kommen wir von uns selbst weg. Gleichzeitig sind wir im dauernden Vergleich mit den anderen Müttern in unserem Umfeld, die das scheinbar viel besser machen als wir. Auch hier denken wir nicht daran, dass jede Mutter ihre ganz eigene Lebenssituation hat, die nicht immer vergleichbar ist. Wir vergleichen oft Äpfel mit Birnen. Und sehen nicht, dass die anderen auch oft am Limit sind. Die wenigstens sagen das nur offen von sich aus.

Und hinzu kommt, dass wir ja aus unserer Kindheit viele Päckchen mitbringen, die es uns erschweren zu akzeptieren, dass wir ja eigentlich einen verdammt guten Job machen jeden Tag. Wir sind hingegen voller Selbstzweifel und Eigenkritik und das stresst uns enorm. Schauen wir hingegen mal nur auf unsere eigenen Kinder: Was sie ausmacht, wie besonders sie sind und dass sie gesund und munter sind, fröhlich und einfach eben Kind - ohne sie zu vergleichen mit anderen Kindern - dann dürfen wir uns viel öfter gehörig auf die Schulter klopfen und sagen: Hey, das hab ich (haben wir) gut hinbekommen!

 
Wie schaffen wir es uns abzugrenzen und auch einmal nein zu sagen - auch zu unseren Kindern?
Ganz einfach: Wir müssen es einfach tun. Je früher, desto besser. Viele merken das ja beim zweiten Kind. Plötzlich können sie nicht mehr immer „ja" sagen. Aber wir können das auch ohne Geschwisterkind lernen. Wichtig ist, wie wir das sagen und warum. Ich habe oft Rückenschmerzen, da muss ich mich einfach mal aufs Sofa legen. Das haben die Kinder erst lernen müssen, aber mittlerweile wissen sie, dass ich ja dennoch anwesend bin. Und der Clou ist ja - oft sagen wir es ihnen ja, nur leider viel zu spät und viel zu laut dann. Dass wir manchmal genervt reagieren liegt nämlich meist daran, dass wir zu lange nicht nein sagen. Immer ja, ja, ja. Und dann gehen uns die Nerven durch.

Mir hat die Achtsamkeitspraxis sehr geholfen. Dadurch habe ich gelernt immer wieder zu stoppen und zu fragen: Was ist jetzt gerade in mir los? Was brauche ich gerade? Das ist wichtig um unsere eigenen Bedürfnisse nicht immer hinten runterfallen zu lassen.

Kinder können mit einem Nein erstaunlich gut umgehen. Mein Sohn (Anmerkung: er wird jetzt 10) fragte mich einmal (ist schon länger her), ob er am Tablet spielen dürfte. Ich wollte eigentlich nein sagen, weil es mitten am Tage war, war mir aber unsicher, wie er reagieren würde, weil ich wusste, dass ihm wahnsinnig langweilig ist und so haderte ich. Ich hatte keine Nerven für Diskussionen. Er sagte dann: „Mama, ich hab ja nur gefragt." Oft wollen sie es einfach nur wissen. Und oft scheuen wir uns davor einfach klar zu sein. Dann sind wir unsicher und das ist dann der Punkt, wo die Kinder merken: Oh, eine Hintertür ist offen, also frage ich noch 13x nach. Und dann verlieren wir die Nerven.

Es ist Übung, vor allem für Eltern, die das bisher nicht so gut geschafft haben. Aber es tut gut, das kann ich versprechen.

 


Selbstfürsorge ist wichtig: Wie kannst du das als Mutter im Alltag umsetzen? Welchen Rat hast du an andere Mütter? 
Ja, Selbstfürsorge ist sehr wichtig! Aber sie wird oft verwechselt mit Wellness oder stundenlangen Yogasitzungen. Selbstfürsorge ist auch ein Kaffee in Ruhe am Sofa oder etwas tun, was wirklich Freude macht. Ich würde gern morgens vor den Kindern aufstehen und etwas meditieren, meine Morgenseiten schreiben. Aber ich bin kein Morgenmensch, auch das gilt es zu akzeptieren, wo alle von dieser heiligen Morgenroutine reden. Tue, was dir gut tut, wann es dir gut tut.

Wenn wir nachmittags heimkommen, koche ich mir einen Kaffee und lege mich aufs Sofa. Das brauche ich, das braucht mein Rücken. Meist sind das nur 10-20min, aber die tun mir enorm gut, danach funktioniere ich wieder anders. Abends mache ich ein paar Rückenübungen oder etwas Yoga, während die Kinder ihre Serien schauen am Tablet oder spielen. Manchmal lege ich mich abends noch in die Badewanne, wenn die Kinder schlafen. Oder ich gehe selbst früh schlafen, auch das habe ich erst lernen müssen, weil ich immer eine Nachteule war. Das tut mir aber nicht mehr gut.

Und ganz wichtig sind Hobbies. Ich male gern oder kalligrafiere, stricke oder probiere irgendwas Neues aus. Das mache ich manchmal abends und es steckt die Kinder an oder sie setzen sich einfach gesellig dazu und lesen oder malen selbst. Wenn sie merken, dass ich etwas tue, worin ich aufgehe, wofür ich mich begeistere, dann wissen sie, es geht mir gut und suchen sich Dinge, die ihnen gut tun. Das gelingt nicht immer, nein natürlich nicht. Aber sehr oft. Gerade jetzt in Coronazeiten ist es wichtig, dass wir auch Dinge für uns tun.

Für mich gehört auch der Haushalt dazu. Wenn da totales Chaos ausbricht, werde ich komplett genervt. Also „Lass den Haushalt Haushalt sein" gilt für mich nicht. Ich habe zum Glück sehr viel entrümpelt schon lange und deshalb ist die Wohnung immer recht schnell wieder aufgeräumt. Ausmisten ist für mich ein großer Akt der Selbstfürsorge.

Wichtig ist, dass jede Mutter da ihres findet und ihren Weg. Aber je mehr wir uns Gutes tun, umso besser können wir für die Kinder da sein.

 

Danke für das Gespräch und die vielen Tipps.

 

Über Nadine von Buntraum

Mehr Infos über Nadine und ihre Bücher findest du auf ihrer Webseite

Wir haben mir ihr auch über ihr Buch "Hand in Hand: Wie Geschwisterliebe wachsen kann" gesprochen. zum Interview

 
(*MBSR - Mindfulness Based Stress Reduction, MBCL - Mindfulness Based Compassionate Living)

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