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Mehrsprachige Familien - Wie wir Kinder sprachlich gut begleiten!
- Details
Wenn Eltern in einer Familie mehrere Sprachen verwenden, bietet sich die wunderbare Möglichkeit, Kinder mehrsprachig aufwachsen zu lassen. Zwetelina Ortega vom Beratungszentrum Linguamulti gibt dazu wertvolle Einblicke.
(c) Nappy
Wie lernt das Kind eine Sprache?
Grundsätzlich gilt: Sprecht mit eurem Kind in der Sprache, die ihr am besten beherrscht, also in eurer Erstsprache. Ein verbreiteter Ansatz ist das Prinzip „Eine Person eine Sprache“. Dabei verwenden die Eltern jeweils ihre eigene Erstsprache im Umgang mit dem Kind. Das Kind selbst sollte jedoch frei wählen dürfen, in welcher Sprache es antwortet, und nicht dazu gedrängt werden, eine bestimmte Sprache zu sprechen.
Um den ersten Geburtstag herum sprechen die meisten Kinder ihr erstes Wort. Danach geht es stetig weiter mit der selbständigen Sprachproduktion. Im Laufe des dritten und vierten Lebensjahres entwickeln sich die Sprachen immer intensiver. Das Kind versucht Sätze zu bilden, ist neugierig auf die Sprache und liebt es, sich selbst sprechen zu hören.
In dieser Zeit lernt das Kind viel über die grammatikalischen Regeln all seiner Sprachen und bemüht sich, diese anzuwenden. Gehen wir von Zweisprachigkeit aus, bedeutet das: Das Kind baut zwei Sprachsysteme auf. Diese beiden Sprachen sind zwar eigenständige Systeme, stehen in der kindlichen bilingualen Entwicklung aber miteinander in Austausch und vernetzen sich intensiv. Zahlreiche empirische Studien der Mehrsprachigkeitsforschung zeigen, dass kindliche Zwei- und Mehrsprachigkeit als interagierender Verbund mehrerer Sprachen verstanden und entsprechend unterstützt werden sollte.
(c) Izabelly Marques
Wie können Eltern die Entwicklung aller Sprachen ihres Kindes im familiären Alltag unterstützen?
Ausdauer
Eltern sollten konsequent bei der Sprache bleiben, die sie für die Kommunikation mit ihrem Kind gewählt haben – auch dann, wenn es bereits ganze Sätze in beiden Sprachen spricht. Kleinkinder lernen in diesem Alter sehr schnell; ebenso schnell können sie erworbene Sprachen aber auch wieder vergessen. Für die kindliche Mehrsprachigkeit bedeutet das, dass Eltern ihre Sprachen möglichst konsequent und kontinuierlich anwenden sollten.
Im Bewusstsein junger Kinder sind Sprachen besonders eng mit den emotionalen Bezugspersonen verknüpft, mit denen sie diese Sprachen sprechen. Deshalb sollten Eltern so weit wie möglich bei einer festen Kommunikationssprache mit dem Kind bleiben. Diese Herangehensweise gibt dem Kind Sicherheit und unterstützt altersgerechte Fortschritte in seiner Sprachentwicklung.
Keine Sorgen
„Überfordere ich mein Kind mit mehreren Sprachen?“, fragen sich manche Eltern. Die Antwort lautet: Nein. Kinder sind sehr gut in der Lage, zwei oder sogar mehr Sprachen gleichzeitig oder nacheinander zu erwerben, ohne dadurch verwirrt zu sein. Ganz im Gegenteil: Für ihre kognitive und emotionale Entwicklung ergeben sich daraus viele Vorteile. Einige davon sind:
- Sie profitieren in ihrer kognitiven Entwicklung.
- Sie lernen weitere Sprachen leichter und effizienter.
- Sie sind geistig flexibler.
- Sie verfügen über bessere allgemeine kommunikative Kompetenzen.
- Sie entwickeln weltoffene Denkmuster.
Dabei ist nicht entscheidend, mit wie vielen Sprachen das Kind aufwächst, sondern dass dies in einem natürlichen Kontext geschieht, damit sich die jeweiligen Sprachen gut entfalten können. Ausschlaggebend ist auch die Qualität des sprachlichen Inputs. Vielseitige, reichhaltige Sprache, etwa beim gemeinsamen Betrachten von Bilderbüchern oder beim Vorlesen von Geschichten, stärkt die sprachlichen Ressourcen des Kindes.
Anerkennung
Ausschlaggebend für eine gute zwei- oder mehrsprachige Entwicklung ist auch, dass Eltern die nichtdeutsche Familiensprache wertschätzen und sie beispielsweise auch im öffentlichen Raum verwenden. Diese Haltung zeigt dem Kind, dass all seine Sprachen wertvoll und gleichrangig sind. Wenn Eltern ihre Sprache nur innerhalb der eigenen vier Wände verwenden, signalisieren sie dem Kind, dass diese Sprache weniger wert sei, gesprochen zu werden. Das kann beim Kind Unsicherheit auslösen und demotivierend wirken.
Der Sprachinput
Damit das Kind beide Sprachen gut verinnerlichen kann, braucht es vielseitigen Sprachinput. Alltagsthemen erschöpfen sich mit der Zeit, und Gespräche beginnen sich zu wiederholen. Um ein abwechslungsreiches sprachliches Angebot bereitzustellen, ist daher Kreativität seitens der Eltern gefragt. Hilfreich können zum Beispiel Spielgruppen sein, in denen die jeweilige Sprache gesprochen wird, ebenso der Austausch mit anderen Familien, Verwandten und Freund*innen. Auch das Vorlesen von Kinderbüchern oder gemeinsame spannende Aktivitäten können Eltern nutzen, um neue Gesprächsthemen zu finden und den Austausch mit dem Kind zu fördern.
(c) Curated Lifestyle
Zusammenfassung
Es ist von Vorteil, alle Sprachen in der Familie konsequent anzuwenden. Durch Freund*innen, Spielgruppen, mehrsprachige Einrichtungen und andere Bezugspersonen, mit denen sich das Kind austauschen kann, entstehen abwechslungsreiche Sprachsituationen. Ebenso wichtig ist es, die eigene Sprache wertzuschätzen und dem Kind zu vermitteln, dass alle seine Sprachen wertvoll sind.
Noch mehr praktische Tipps rund um mehrsprachige Erziehung bietet die Broschüre „Mit mehreren Sprachen aufwachsen“. Sie steht kostenfrei auf der Webseite www.linguamulti.at zum Download bereit.
Über die Autorin

Zwetelina Ortega ist Sprachwissenschafterin, Autorin, Expertin für Mehrsprachigkeit. Sie gründete das Beratungszentrum Linguamulti, wo sie Eltern und Pädagog*innen zur mehrsprachigen Erziehung berät und Workshops anbietet. Darüber hinaus begleitet sie Bildungsinstitutionen und entwickelt Projekte zum Umgang mit Mehrsprachigkeit. Sie leitet Aus- und Fortbildungen im In- und Ausland und lehrte an der Universität Wien. Sie ist Gründerin der LIMU-Academy, zur Frühförderung der deutschen Sprache für Kinder. Ortega ist dreisprachig mit Bulgarisch, Spanisch und Deutsch aufgewachsen und schreibt literarische Texte in diesen Sprachen. Zu ihren Veröffentlichungen zählen das Kinderbuch „Die Umami-Bande“ (Amiguitos Verlag) und der Gedichtband „Aз und tú“ (Edition Yara), außerdem betreibt sie einen Blog im Standard.







