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Mein Kind will nicht essen

Unser Buchtipp!

In unserer westlichen Welt hat das Weinen keinen großen Stellenwert. Erwachsene weinen nur in Ausnahmefällen in der Öffentlichkeit. Auch wenn Kinder weinen, sollen sie schnell wieder ruhig sein. Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis verbinden mit dem Weinen ungute Gefühle. Selbst haben sie es auch so erlebt und rund herum gehen fast alle auf diese Art und Weise mit dem Weinen um.

Das macht es auch so schwer, einem Menschen jeden Alters beim Weinen zuzuhören, dabei zu bleiben und ihm selbst zuzutrauen, das Weinen zu beenden, wenn der richtige Zeitpunkt dafür da ist.

Das Weinen an sich tut nicht weh, sondern die Gefühle oder Schmerzen, die das Weinen auslösen. Die Anspannung, die wir im Körper spüren, wenn wieder alles zu viel war, ist unangenehm. Die Natur hat es so eingerichtet, dass durch das Fließen der Tränen, der Körper den Stress wieder abbauen kann. Vermutlich kannst du es bei dir selbst aber auch bei deinem Kinder beobachten: Nach dem Weinen geht es wieder leichter.

 

Elisabeth Salmhofer hat ein Buch über das Weinen geschrieben – und für uns diesen Gastbeitrag zum Thema:

Ihr Buch richtet sich an Eltern, Pädagoginnen und an alle Menschen, die dem spannungslösenden Weinen, mehr Platz in ihrem Leben geben wollen. Im Buch finden sich viele Beispiele und Erfahrungsberichte, damit die Leserinnen und Leser ihre Erkenntnisse in den eigenen Alltag übertragen können.

Wie kam es zu dem Buch Babys und Kleinkindern eine Sprache geben. Über das spannungslösende Weinen von Menschen jeden Alters.“?

Ich beschäftige mich schon seit der Geburt meines Sohnes, im Mai 1996, mit diesem Thema. Zu der Zeit hatte ich bereits viel Erfahrung mit Babys und kleinen Kindern gesammelt, da ich durch meine sechs Geschwister zwölf Neffen und Nichten hatte, bevor unsere eigenen Kinder zur Welt kamen. Auch die Pikler-Pädagogik kannte ich damals schon und fühlte mich wirklich gut vorbereitet auf die Zeit nach der Geburt mit unserem Baby.

Doch schon nach einigen Wochen bemerkten wir, dass unser Sohn am Tag Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hatte. Wenn er beim Stillen oder im Arm eingeschlafen war und wir ihn danach in seine Wiege legen wollten, wachte er sofort oder sehr bald darauf wieder auf. Er kam dadurch tagsüber selten und immer nur sehr kurz zum Schlafen. Das erstaunte mich, da ich wusste, dass die meisten Babys am Anfang viel schlafen.

Wahrscheinlich würden viele Eltern das Kind ins Tragetuch nehmen, damit es auf diese Weise mehr schlafen kann. Eine Hebamme, die uns damals besuchte, empfahl mir das Buch Warum Babys weinen von Aletha Solter.

Ich verschlang es geradezu, da mir diese Informationen die Augen öffneten. Wir verstanden endlich, warum unser Sohn nicht gut schlafen konnte. Viele der Erlebnisse, die ein Neugeborenes Tag für Tag hat, auch wenn es nur zu Hause und in der Natur ist, können nicht sofort verarbeitet werden und verursachen Spannungen und Stress. In diesem Zustand ist es aber ganz schwer zu schlafen.

Wir lernten, dass unser Sohn über das spannungslösende Weinen seine angestauten Gefühle loslassen konnte. Natürlich achteten wir darauf, dass er zu dieser Zeit keine anderen Bedürfnisse (wie Hunger, Durst, Schmerzen etc.) hatte, und wir hielten ihn dabei im Arm und hörten ihm aufmerksam zu. Erfreulicherweise funktionierte das auch wirklich, und der Alltag mit ihm wurde viel leichter und unbeschwerter. Er verbrachte dadurch auch viel mehr Zeit mit Spielen und war insgesamt viel zufriedener. Auf diese Weise durfte ich also die ersten Erfahrungen mit dem spannungslösenden Weinen machen, und ich verfolgte fortan dieses Thema sehr interessiert.

Da ich seit 18 Jahren Pikler-SpielRäume in der Volkshochschule Donaustadt im 22. Bezirk in Wien anbiete, konnte ich schon mit zahlreichen Familien diesen Weg gehen. Viele Erkenntnisse und Erfahrungen aus dieser Arbeit finden sich in meinem Buch.

Was bedeutet es nun, wenn dem Kind erlaubt wird zu weinen? Was sollen die Eltern dabei tun? Wie lange dauert das? Wann ist die richtige Zeit fürs Weinen? Vielleicht hat das Baby ja Hunger oder Durst, oder es fühlt sich alleine, oder es hat Angst?

Ganz viele Fragen werden in solchen Situationen hochkommen, und das ist auch gut. Viele von uns haben nur wenig Erfahrung mit dem spannungslösenden Weinen, da das Weinen in unserer westlichen Welt keinen großen Stellenwert hat. Erwachsene weinen nur in Ausnahmefällen in der Öffentlichkeit. Auch wenn Kinder weinen, sollen sie schnell wieder ruhig sein. Sie selbst haben es so erlebt, und rundherum gehen fast alle Menschen auf dieselbe Art und Weise mit dem Weinen um. Die meisten Menschen in unserem Kulturkreis verbinden mit dem Weinen unangenehme Gefühle. Das macht es den meisten von uns auch so schwer, einem Menschen jeden Alters beim Weinen zuzuhören, dabei zu bleiben und ihm zuzutrauen, das Weinen selbst zu beenden, wenn der für ihn richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. 

Nicht das Weinen selbst tut weh, sondern die Gefühle oder Schmerzen, die das Weinen auslösen. Die Anspannung, die wir im Körper spüren, wenn wieder alles zu viel war, ist unangenehm. Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Körper durch das Fließen der Tränen den Stress wieder abbauen kann. Viele haben das schon gespürt und bemerkt, dass ihnen nach dem Weinen wieder leichter ist.

Meine Grundhaltung ist, dass Weinen ein Grundbedürfnis ist, wie auch jenes nach Essen, Schlafen, Trinken, Empfangen von Liebe, Schutz, Verbundenheit, Anerkennung und Wertschätzung, Geborgenheit und Selbstbestimmung. Wenn das Baby weint, geht es für die Bezugspersonen erst einmal darum, herauszufinden, was der Grund dafür sein könnte. Das könnte Hunger, Durst, Müdigkeit, Überforderung und Unruhe, Schmerzen oder einer der oben genannten Gründe sein.

Wenn all das nicht der Grund für das Weinen ist, dann könnte es die Anspannung sein, die das Kind zum Weinen bringt. Jetzt braucht das Baby eine gute Begleitung, eine erwachsene Person, die mit ihm in Beziehung ist, die das Weinen aushalten kann und dem Baby dabei volle Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenbringt.

Über die geeignete Begleitung beim spannungslösenden Weinen schreibe ich ausführlich in meinem Buch.

Hier folgt ein Ausschnitt aus dem Buch, in dem ich über die Erfahrungen berichte, die ich als Erwachsene mache, wenn ich weinen möchte, weil mich ein Erlebnis stark beeinträchtigt bzw. betroffen gemacht hat, – und wie es sich auf Babys auswirkt, wenn sie vom Weinen abgehalten werden.

Ausschnitt aus dem Buch:

Im besten Fall kann ich in der Nähe einer vertrauten Person oder alleine weinen. Ich würde mir wünschen, dass diese Person mir zuhört, vielleicht körperlich Nähe gibt und mich in meinem „So-Sein“ ernst nimmt. Egal ob ich nun weine oder erzähle, ich möchte gehört und gesehen werden mit meinen Gefühlen. Mich „gefühlt fühlen“, wie Lienhard Valentin in einem Seminar sagte.

Oft höre ich Sätze wie …

  • Ja, das war schon schlimm, aber hör auf mit dem Weinen, es ist ja schon vorbei …
  • Schau, ich erzähl dir was, damit du wieder auf andere Gedanken kommst …
  • Wieso weinst du, das hat ja gar nichts mit dir zu tun …
  • Bitte hör auf zu weinen, ich halte das nicht mehr aus.

Hilft mir das?

  • NEIN

Wie fühle ich mich dann?

  • Es kommt oft noch eine neue Enttäuschung oder ein Schmerz hinzu.
  • Ich brauche Kraft, um alles zu unterdrücken, weil es die Person nicht aushalten kann oder sie sich nicht damit auseinandersetzen will/kann.
  • Ich frage mich, ob meine Gefühle oder Wahrnehmungen wirklich stimmen?
  • Ich werde unsicher, ob ich das Thema oder ob ich mich einem anderen Menschen wirklich zumuten kann.

Was empfindet ein Baby/Kleinkind, wenn es weinen möchte und die Erwachsenen halten es davon ab, mit Stillen, dem Schnuller, einer Trinkflasche, mit Essen, mit Ablenken, Herumtragen und Schaukeln?

Das Baby/Kind empfindet vielleicht:

  • Es ist nicht gut, wenn ich mich so zeige, das wollen die Erwachsenen nicht.
  • Das halten sie nicht aus. (Kinder haben sehr feine Antennen und spüren vieles.)
  • Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, versteht mich keiner?
  • Vermutlich stimmt das nicht, was ich fühle (Für Kinder sind die Eltern immer richtig) –> Wenn das oft passiert, schwächen solche Erfahrungen das Kind.
  • Es lernt, dass das Gefühl, das es gerade empfindet, mit Essen, Trinken oder auf andere Weise zu beantworten ist.

Dieses Verhalten der Eltern schwächt die Beziehung zu ihrem Kind.

Kinder, die zu viele Spannungen haben, fühlen sich nicht wohl. Das zeigt sich auf ganz verschiedene Weise.

  • Sie werden anhänglich.
  • Sie werden aggressiv.
  • Sie können sich nicht alleine beschäftigen.
  • Sie können nicht gut schlafen.
  • Sie sind mit allem unzufrieden.
  • Sie finden nicht so leicht ins selbständige Spiel.
  • Sie jammern.
  • Oder ganz anders …

Natürlich gibt es auch andere Gründe, warum Kinder sich auf diese Art zeigen.

Sicher ist, dass es EINEN GRUND dafür gibt, und es ist wichtig, herauszufinden, was mir das Kind auf diese Art sagen will.

 

Gestaltet wurde das Buch von Eva Denk, einer langjährigen Freundin der Autorin, die sich ebenfalls schon sehr lange mit Erziehung und Familienthemen beschäftigt. Deshalb war die Zusammenarbeit überaus freudvoll und produktiv. So kam ihr eines Nachts die Idee, zu meinem Buch für Erwachsene auch ein Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahren zu gestalten. Das Buch heißt Lena weint.

Erhältlich sind die Bücher u.a. bei Kokomoo.at -einen wunderbaren Laden und Online-Shop, der schöne Spielsachen anbietet.

Babys und Kleinkindern eine Sprache geben. Vom spannungslösenden Weinen von Menschen jeden Alters; ISBN 9783732230822, Einzelpreis 17 Euro

Bilderbuch Lena weint. Eine Geschichte über Gefühle. Zum Vorlesen für Kinder ab 2 Jahren; ISBN 9783902625786, Einzelpreis 6 Euro           

Setpreis Bücher 21 Euro

 

Buch und Artikel: Elisabeth Salmhofer, elisabeth@salmhofer.cc

Gestaltung des Buchs und Bilderbuchs: Eva Denk, outlinegrafik.at

Barbara Lackner, www.kokomoo.at

 

Danke für den Beitrag an Elisabeth Salmhofer

Sie ist Pikler®-Pädagogin, absolvierte die Seminarleiterausbildung bei Jesper Juul und arbeitet seit 2002 mit Familien. Seit 2011 ist sie zusätzlich in der Aus- und Weiterbildung von Krippen- und Kindergarten-PädagogInnen tätig. Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder und wohnt in Wien.

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