Schön & Praktisch
Advents- und Weihnachtszeit - Zwischen schönen Traditionen und ganz normalem Familienchaos
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Wir freuen uns auf die Weihnachtszeit: auf die Lichter, die Kekse, die Weihnachtslieder und die gemütlichen Stunden mit der Familie. Wir wünschen uns Ruhe, Besinnlichkeit und leuchtende Kinderaugen. Und dann ist Dezember.
Geschenke müssen besorgt, Besuche geplant und Kekse gebacken werden. Nebenbei geht der Alltag ganz normal weiter. Das Baby schläft, sobald wir es überaus eilig haben. Das Kleinkind räumt die Weihnachtsdeko ab, während wir sie noch bewundern. Und der Christkindlmarktbesuch ist vorbei, bevor wir unseren Punsch ausgetrunken haben.
So viel zur besinnlichen Zeit.
Gerade mit Babys und Kleinkindern kommt Weihnachten oft anders als gedacht. Wie kann es trotzdem schön werden? Indem wir uns zuerst fragen, was wir eigentlich von dieser Zeit erwarten.
(c) Paige Cody
Was soll Weihnachten für dich sein?
Möchtest du Kekse backen, über den Weihnachtsmarkt schlendern und gemütliche Stunden mit deiner Familie verbringen? Was gehört für dich unbedingt dazu? Und was darf auf keinen Fall passieren? Vielleicht wünschst du dir ein harmonisches Fest, ein schön dekoriertes Zuhause und glückliche Kinder. Gleichzeitig sollen alle Geschenke rechtzeitig besorgt und die Wohnung aufgeräumt sein.
Ganz schön viele Wünsche für ein paar Wochen im Dezember. Wenn wir eine genaue Vorstellung davon haben, wie etwas ablaufen soll, sind wir schnell enttäuscht, wenn es anders kommt. Das Keksebacken wird zur Geduldsprobe, das Kind hat keine Lust und die Küche schaut aus, als hätte sich eine Mehlwolke darin ausgetobt.
Dabei wollten wir doch eine schöne Zeit miteinander verbringen. Es muss nicht alles so laufen, wie du es dir vorgestellt hast, damit es schön sein kann. Manchmal braucht das Baby Ruhe statt Weihnachtsmusik und das Kleinkind eine Pause statt des nächsten Programmpunkts. Und manchmal brauchen wir Eltern einfach einen doppelten Espresso, bevor wir wieder zu irgendetwas bereit sind.
Traditionen: Was davon ist uns wirklich wichtig?
Viele unserer Vorstellungen von Weihnachten stammen aus der eigenen Kindheit. Vielleicht wurde bei euch immer gemeinsam gebacken, der Christbaum am Heiligen Abend geschmückt oder bei den Großeltern gefeiert.
Solche Traditionen können etwas sehr Schönes sein. Sie geben Kindern Vertrautheit, verbinden Generationen und schaffen Erinnerungen, die sie später selbst weitergeben möchten. Aber Hand aufs Herz: Nur weil etwas schon immer so gemacht wurde, muss es nicht für jede Familie passen. Vielleicht hast du das Keksebacken als Kind geliebt, findest es mit Baby und Kleinkind gerade aber ziemlich anstrengend. Vielleicht möchtest du Weihnachten zu Hause feiern, statt mit überreizten Kindern von einer Familienfeier zur nächsten zu fahren.
Das ist völlig in Ordnung.
(c) Magdalena Zofia Kmiecik
Frage dich: Was ist mir wirklich wichtig? Welche Tradition möchte ich weitergeben? Und was mache ich eigentlich nur, weil es immer schon so war?
Eventuell gibt es heuer nur eine Sorte Kekse oder du kaufst den Adventkranz, anstatt ihn selbst du basteln. Oder ihr beginnt eine neue Tradition: eine kleine Runde durch die beleuchtete Nachbarschaft, eine Geschichte vor dem Schlafengehen oder ein gemeinsames Lied oder Gedicht vorm Abendessen. Traditionen müssen nicht aufwendig sein, um Bedeutung zu haben. Sie dürfen sich verändern, wenn sich das Leben verändert.
Überlegt gemeinsam: Was macht uns Freude? Welche Traditionen möchten wir behalten und worauf können wir verzichten? Vielleicht reicht es, einen Termin abzusagen oder eine Erwartung loszulassen. Auch Streit und schwierige Momente gehören zum Familienleben. Wichtig ist, wie wir miteinander umgehen und wieder zueinanderfinden.
Am Ende geht es nicht um eine perfekte Weihnachtszeit, sondern um gemeinsame Momente, die sich für euch gut anfühlen und in Erinnerung bleiben. Und manchmal darf man über das ganz normale Familienchaos einfach lachen.
Ich wünsche dir und deiner Familie eine Weihnachtszeit, die zu euch passt – mit schönen Traditionen, Mut zur Veränderung, neuen Ideen und weniger Druck, alles richtig machen zu müssen.
Über die Autorin

Eva Penz ist Familienberaterin nach den Grundwerten von Jesper Juul, Familiencoach, diplomierte Sozialarbeiterin und Mama von zwei Kindern. Seit über zehn Jahren arbeitet sie mit Familien und Kindern.









