Gesund & Satt

Als Beikost wird die erste zusätzliche Nahrung (zusätzlich zur Muttermilch oder Pre-Nahrung) bezeichnet, welche zwischen der 17. und 26. Lebenswoche eingeführt wird. In diesem Prozess tauchen ganz natürlicher Weise ab und zu Fragen auf: Womit starte ich? Welche Lebensmittel sind wichtig und worauf muss ich achten? Hebamme Tini Ruthofer gibt Tipps. 

"Derzeit bemerke ich, dass sich viele Eltern sehr intensiv mit der Thematik beschäftigen – meiner Meinung nach manchmal sogar fast ein bisschen zu intensiv. Aus einem sehr natürlichen und im besten Fall vom Kind selbst gesteuerten Prozess entsteht ganz ungewollt ein wissenschaftliches Projekt mit viel Kontrolle durch die Eltern. So erlebe ich derzeit häufig, dass Eltern das Essen ihrer Kinder abwiegen und sich an strenge Beikost-Pläne halten. Als Hebamme möchte ich hier ein wenig zurück zum guten alten Bauchgefühl führen. Es ist wichtig, dass der Essens-Prozess vom Kind gesteuert wird und dass das Kind selbst entscheiden kann, was, wann und wie viel es isst. Ich denke hier im Speziellen an Essstörungen: Je früher wir unseren Kindern beibringen, ihr natürliches Sättigungs- und Hungergefühl zu unterdrücken, desto eher könnte es zukünftig zu einer möglichen Essstörung kommen." so Tini Ruthofer. 

Die wichtigste Information für Eltern vorab: Sinn der Beikost ist das langsame, vorsichtige Einführen verschiedener Nahrungsmittel – zur Allergieprophylaxe, zur vermehrten Aufnahme von Eisen und Zink und ganz besonders als Lern- und Entwicklungsprozess für das Kind. Selbst wenn das Kind nur mit kleinen Portionen beginnt, ist es durch die Muttermilch/Pre-Nahrung im 1. Lebensjahr weiterhin sehr gut versorgt. Es ist nicht nötig, das Stillen/Fläschchen-Geben von heute auf morgen vollkommen wegzulassen und durch feste Nahrung zu ersetzen. Das ist ein sehr langer Prozess und hier sollte nie Druck ausgeübt werden. Gebt eurem Kind Zeit! 

Beikoststart

Zum Beikoststart empfehle ich definitiv keine strengen Pläne zu befolgen – doch wie in so vielen Bereichen scheiden sich auch in dieser Thematik die Geister. 

Ich habe jedoch wirklich gute Erfahrung mit „baby lead weaning“ gemacht. Was bedeutet das? „Baby lead weaning“ meint eine vom Kind gesteuerte Beikost-Einführung, wobei das Kind selber essen darf – es wird also kein Brei direkt in den Mund geschoben. Das Kind erhält z.B. weich gekochte Karotten, Hirsestangerl, Avocado, Brot auf den Tisch vor ihm und es darf selbst zugreifen. Dies ist gut für die Motorik, die Entwicklung der Muskulatur im Mundbereich sowie auch für die Entwicklung eines gesunden Essverhaltens. In einigen Fachbüchern/Foren wird der Start ausschließlich mit Karotten-Brei empfohlen. Ich sehe das etwas lockerer – was am Tisch liegt und das Kind interessiert, darf gegessen werden (außer es ist in der unten angeführten Liste enthalten). Bei Familien mit zahlreichen Allergien macht es Sinn, anfangs möglichst wenige verschiedene Nahrungsmittel zu mischen, um gegebenenfalls Allergien beim Kind schnell zu entdecken. 

Ist ein Kind sehr essfreudig und neugierig, so sollten ihm verschiedene Geschmäcker nicht vorenthalten werden. Sollte ein Kind keine Freude am Essen zeigen, so empfiehlt es sich für einige Zeit bei einem „Lieblingsgeschmack“ zu bleiben und dann weitere Geschmäcker und Konsistenzen einzuführen. Dem Kind sollten verschiedene Konsistenzen angeboten werden, denn auch hier ist jedes Kind anders: Manche lieben fein Püriertes und manche „lutschen“ und knabbern von Beginn an am liebsten an Bananen und Brotstücken. 

Wichtig: Bitte vergleiche dein Kind nie mit anderen Kindern im gleichen Alter. Jedes Kind ist anders, jedes entdeckt auf seine Art und Weise und das ist gut so! Gebt eurem Kind Zeit und habt bei der Einführung der Beikost Geduld! Das Baby sollte beim Essen am Familientisch sitzen, damit es Interesse am Essen entwickeln kann.

Sollte es Ängste, Fragen oder Unsicherheit bei der Beikost geben, empfiehlt es sich, an einem Beikost-Workshop einer Hebamme oder ErnährungsberaterIn teilzunehmen.  

Woran erkenne ich, dass das Baby bereit ist für Beikost? 

Das Baby

  • kann selbstständig sitzen 
  • zeigt Interesse am Essen (greift hin, will das Essen der Eltern haben) 
  • beherrscht die Hand-Mund-Koordination (führt Dinge zum und in den Mund) 
  • imitiert Kaubewegungen 
  • der Zungenstoßreflex (das „Wieder-Herausschieben“ der Nahrung) ist nur mehr minimal bis gar nicht vorhanden. 

Vor dem Start (Baby lead weaning)

Da sich viele Eltern große Sorgen vor dem Verschlucken machen, empfehle ich, einen kurzen Erste- Hilfe-Kurs für Babys/Kleinkinder vor dem Start der Beikost zu absolvieren. 

Anfangs kommt es häufiger vor, dass Kinder die Nahrung wieder ausspucken oder dass das Schlucken etwas ungewohnt ist und sie sich verschlucken – dies kann einerseits ein Zeichen für den zu frühen Start der Beikosteinführung sein, oder aber eine natürliche anfängliche Schwierigkeit, welche nach den ersten Mahlzeiten verschwindet. 

Beikoststart mit Kindern kochen

Was braucht das Baby? 

  • Vitamine: Gemüse und Obst
  • Zink und Eisen: 
    • Hülsenfrüchte 
    • Fleisch: z. B. Rind-, Kalb-, Lamm- oder Schweinefleisch (durcherhitzt)
  • Erdäpfel, Nudeln, Reis, Weizen, Hafer,…
  • Fisch: z. B. Saibling, Lachs, Forelle  (Achtung: Gräten! Durcherhitzt!)
  •  Ei (durcherhitzt)
  • pflanzliche Öle: z. B. Lein-, Raps-, Walnuss-, Soja-, Weizenkeim-, und Olivenöl 
  • Trinkwasser (ab Beginn der Beikost möglich, spätestens zusätzlich zur Muttermilch/Pre-Nahrung ab dem 10. Lebensmonat) 

Was darf das Baby nicht/ sollte vermieden werden?

  • Rohes Ei, Fleisch oder Fisch
  • Salz, Zucker, Honig, keine scharfen Gewürze 
  • Rohmilch
  • Kuhmilch als Trinkmilch (aber im Brei 1x tgl ab dem 6. LM möglich)
  • Topfen, Pudding, Käse 
  • Wurst und Wurstwaren 
  • Limonaden (z. B. Cola-Getränke, Fanta, Eistee, …) 
  • Kaffee, Tee (Grün-/Schwarztee), Alkohol, auch nicht zum Kochen
  • ganze Nüsse, Samen (nur fein vermahlen im Brei)

Christina " Tini" Ruthofer ist selbstständige Hebamme in Wien. 
Frauenzentriert, Selbstbestimmt und bedürfnisorientiert Arbeiten wird bei ihr groß geschrieben. 
Im Mai eröffnet sie ihre Ordination "Gut aufgehoben sein" in Meidling! 
www.hebammetiniruthofer.at 

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