Gesund & Satt

Stillen und Beikost beschäftigen viele Eltern – auch in unserer Online-Community „Babymamas – Eltern mit Baby in Wien“. Weil uns dieses Thema besonders am Herzen liegt, möchten wir euch in unserer Themenstrecke „Stillen und Beikost“ hilfreiche Basics, praktische Tipps und passende Anlaufstellen für eure Fragen mitgeben. Den Auftakt macht das Thema „Tipps für den Stillstart“.

(c) Curated Lifestyle

Wie der Stillstart gelingen kann 

Nicht jede Frau möchte oder kann stillen – und das ist völlig in Ordnung. Gute Informationen und eine einfühlsame Begleitung können dabei helfen, eine informierte Entscheidung zu treffen und viele Fragen rund um den Stillstart schon vor der Geburt zu klären.

Vorweg ist uns deshalb eines besonders wichtig: Ob du stillst, nicht stillst oder dein Baby teilweise stillst, sagt nichts darüber aus, was für eine Mutter du bist. Niemand muss sich für die eigene Entscheidung rechtfertigen.

Stillen ist natürlich - und trotzdem nicht immer einfach. Viele Eltern haben vor der Geburt kaum Gelegenheit, Stillen im Alltag zu erleben. Das eigene Baby ist dann oft das erste Neugeborene, das man versorgt – und plötzlich gilt es, ganz viele neue Dinge gleichzeitig zu lernen. Auch das Stillen ist ein Prozess, in den Mutter und Baby erst hineinfinden müssen. Es darf dauern, bis ihr euch eingespielt habt. Unterstützung und praktische Anleitung können dabei einen großen Unterschied machen.

Die WHO empfiehlt, Babys in den ersten 6 Lebensmonaten ausschließlich zu stillen.

Je nach individueller Entwicklung kann das Kind um das 6. Lebensmonat herum mit Beikost starten. Die Empfehlung der Österreichischen Nationalen Ernährungskommission: Nicht vor Beginn des 5. Monats (17. Lebenswoche) bzw. nach Ende des 6. Monats (26. Lebenswoche) mit Beikost beginnen. Zusätzlich zur Beikost kann weiter gestillt werden - bis zum zweiten Geburtstag oder darüber hinaus. Solage es für Mutter und Kind passt. 

Muttermilch ist nicht nur Nahrung

Stillen hat auch gesundheitliche Vorteile für das Kind – so ist Muttermilch nicht nur die genau an das Kind angepasste Ernährung, sondern bietet auch Schutz vor vielen Krankheiten. Muttermilch enthält unter anderem Antikörper und andere Bestandteile, die das Immunsystem des Babys unterstützen und das Risiko für verschiedene Infektionen und Erkrankungen im Kindesalter senken. 

Was nicht allgemein bekannt ist – Stillen dient auch der Frauengesundheit – Stillen ist unter anderem mit einem geringeren Risiko für Brust- und Eierstockkrebs verbunden.

Was braucht es für einen erfolgreichen Stillstart?

Informiert sein

Wichtig ist es, vorab informiert zu sein, denn es halten sich viele Ammenmärchen rund um das Stillen, wie „Alte Milch darf nicht auf neue treffen“ oder dass zwischen den Stillmahlzeiten bestimmte Stundenabstände eingehalten werden müssen.

Neben dem Lesen von Fachliteratur, könnt ihr einen Stillvorbereitungskurs besuchen. Ausgebildete Stillberaterinnen helfen euch schon vor der Geburt damit, euch mit den Grundlagen vertraut zu machen. Auch der Besuch einer Stillgruppe bereits in der Schwangerschaft lohnt sich – dort werden viele Erfahrungen ausgetauscht und du kannst erste Kontakte knüpfen. Im Falle von Schwierigkeiten bist du dadurch auch schon einmal gut angebunden und kannst dir rasch kompetente Unterstützung holen!

Realistische Vorstellungen

Auch beim Stillen hilft es, sich darauf einzustellen, dass das Leben mit einem Neugeborenen anders aussehen kann, als es uns Werbung und soziale Medien manchmal vermitteln. Gerade die erste Zeit kann eine wirkliche Herausforderung sein. 

Babys weinen aus vielen Gründen: weil sie Hunger haben, weil sie durstig sind, weil die Windel voll ist, weil sie müde sind oder den Tag verarbeiten. Es wird einige Zeit dauern, bis Eltern ihr Baby verstehen und die utnerschiedlichen Arten von Weinen unterscheiden können. 

Die ersten Stunden nach der Geburt

Einen großen Beitrag für den Stillerfolg ist die Geburt – im Idealfall sollte sie möglichst ohne Interventionen auskommen und Mutter und Kind sollten nach der Geburt die Möglichkeit haben, lang und ausgiebig zu kuscheln. Das Baby wird idealerweise schon bald nach der Geburt an die Brust angelegt. Und darf in der Zeit danach häufig an der Brust saugen, um die Milchproduktion richtig gut in Gang zu bringen. 

Manchmal verläuft bei der Geburt nicht alles nach Plan und Wunsch und Interventionen sind nötig – auch da ist Stillen immer möglich – es bedarf dabei jedoch manchmal noch mehr einfühlsamer Unterstützung durch kompetentes Fachpersonal, Partner und Familie und auch noch mehr Geduld! 

Wichtig ist: Eine Geburt muss nicht „perfekt“ verlaufen, damit Stillen gelingen kann.

Wenn es medizinisch möglich ist, ist es hilfreich, wenn Mutter und Baby möglichst viel Zeit gemeinsam verbringen können. Das sogenannte Rooming-in ermöglicht es, die Signale des Babys leichter wahrzunehmen und nach Bedarf zu stillen. 

Tipps Stillen Stillstart Baby Mama Bonding RoomingIn(c) George Dagerotip

Stillen nach Bedarf – nicht nach der Uhr

Zentral für das Stillen ist das sogenannte Stillmanagement

Ein wichtiger Grundsatz für den Stillstart lautet: Das Baby bestimmt, wann es trinken möchte.

Neugeborene trinken häufig und in sehr unterschiedlichen Abständen. Manche Mahlzeiten sind kurz, andere dauern länger. Deshalb gibt es keine allgemeingültige Vorgabe, wie viele Minuten ein Baby an einer Brust trinken muss oder wann die Brust gewechselt werden sollte. In den ersten Wochen sind es ca. 10 bis 12 Stillmahlzeiten in 24 Stunden. 

Entscheidend ist vielmehr, dass das Baby effektiv Milch überträgt und gut gedeiht. Dabei kann es hilfreich sein, sich von einer Hebamme, Stillberater:in oder anderem geschulten Fachpersonal zeigen zu lassen, woran man effektives Trinken erkennt.

Hungerzeichen erkennen

Babys zeigen oft schon früh, dass sie trinken möchten. Dazu gehören beispielsweise:

  • schnelle Augenbewegungen oder zunehmende Wachheit
  • Suchbewegungen mit dem Kopf
  • Lecken oder Schmatzen mit den Lippen
  • Saugbewegungen
  • Hände zum Mund führen
  • Unruhe oder Bewegungen des ganzen Körpers

Weinen ist bereits ein spätes Hungerzeichen. Wenn möglich, ist es daher hilfreich, schon auf die früheren Signale zu reagieren.

Wenn das Baby besonders häufig trinken möchte

Gerade in den ersten Wochen kann es Phasen geben, in denen ein Baby sehr häufig und teilweise fast ununterbrochen trinken möchte. Solche Phasen werde als Clusterfeeding bezeichnet.

Clusterphasen bedeuten nicht automatisch, dass zu wenig Milch vorhanden ist. Häufiges Anlegen gehört bei vielen Babys zum normalen Stillverhalten und unterstützt gleichzeitig die Regulation der Milchbildung. Für Mamas ist das eine sehr fordernde Zeit.

Woher weiß ich, ob mein Baby genug Milch bekommt?

Diese Frage beschäftigt viele Eltern – und es gibt tatsächlich einige gute Anhaltspunkte.

Zeichen für einen ausreichend Milchtransfer sind: 

  • Das Baby trinkt fokussiert, ein Schlucken ist zu hören oder zu sehen.
  • Es wirkt während des Trinkens zunehmend entspannt
  • Es löst sich nach der Mahlzeit häufig selbst von der Brust und wirkt zufrieden.
  • Es hat ausreichend nasse Windeln. Ab etwa dem 5. Lebenstag gelten mindestens sechs gut nasse Windeln innerhalb von 24 Stunden als wichtiger Richtwert.
  • Eine entwicklungsgerechte Gewichtszunahme ist ersichtlich. 

Und was, wenn es Probleme gibt?

Stillprobleme sind häufig – und kein Zeichen dafür, dass du oder dein Baby etwas „falsch“ machen. Bei Unsicherheit über Gewicht, Ausscheidungen oder das Trinkverhalten sollte das Baby von einer Hebamme, Kinderärzt:in oder qualifizierten Stillberater:in beurteilt werden.

Schmerzen, wunde Brustwarzen, Schwierigkeiten beim Anlegen, Unsicherheit über die Milchmenge oder eine unzureichende Gewichtszunahme sind gute Gründe, frühzeitig Unterstützung zu holen. Je früher Probleme angeschaut werden, desto leichter lassen sie sich oft lösen.

Falls aus medizinischen oder anderen Gründen vorübergehend oder dauerhaft zugefüttert werden muss, bedeutet das ebenfalls nicht automatisch das Ende des Stillens. Besprich die Situation mit dem Fachpersonal!


Anlaufstellen rund ums Stillen

In Österreich gehören Hebammen, Stillberater:innen, Stillambulanzen und Stillgruppen zu den wichtigen Anlaufstellen rund um die erste Zeit mit Baby.

Stillvorbereitungskurse findest du unter anderem hier: 

Auch Krankenhäuser wie das Sankt Josef Krankenhaus, die Klinik Hietzing oder die Klinik Landstraße bieten Kurse zur Stillvorbereitung.  

Stillberaterinnen in deiner Nähe findest du hier: 

Hebammen in deiner Nähe findest du hier: 


Fazit

Ein guter Stillstart bedeutet nicht, dass von Anfang an alles problemlos funktionieren muss.

Du und dein Baby lernt Stillen gemeinsam. Es darf dauern, bis ihr euren Rhythmus gefunden habt. Holt euch Unterstützung, wenn ihr sie braucht, und lasst euch nicht von Mythen oder starren Regeln verunsichern.

Und vor allem: Du musst beim Stillen nicht perfekt sein. Dein Baby braucht keine perfekte Mutter, sondern Nähe, Sicherheit und eine gut versorgte Bezugsperson.

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