Gesund & Satt

Ein Baby verändert vieles – auch das Zusammenleben mit dem Hund. Doch mit guter Vorbereitung, etwas Geduld und realistischen Erwartungen können Kinder und Hunde zu einem pfotenstarken Team zusammenwachsen. In diesem Beitrag berichten Eva Burger und Lisa Maria Glenk von ihren Erfahrungen als Familie mit Hund!

Gastbeitrag Kind Hund Empfehlungen(c) Zachary Kadolph

Erstes Kennenlernen

Viele Eltern machen sich Gedanken darüber, wie der Hund auf das Baby reagieren wird. Tatsächlich verläuft das erste Kennenlernen häufig unspektakulärer als erwartet. Nach der Geburt sollte der Hund zunächst seine Bezugsperson begrüßen dürfen, bevor das Baby in ruhiger Atmosphäre vorgestellt wird. 


Eva: "Das erste Kennenlernen verlief tatsächlich nicht sehr spektakulär, wobei wir dies auch nicht erwartet hatten. Unser Hund begrüßte mich und beschnüffelte das Baby, das noch im Autositz schlief. Er schien dabei nicht sonderlich aufgeregt zu sein." 


Lisa: "Als ich noch im Spital war, hat mein Partner den Hunden ein Tuch zum Beschnüffeln mitgebracht, in dem die Kleine geschlafen hat. Beim Nachhausekommen habe ich dann die Hunde zuerst alleine begrüßt. Danach wurde das Baby im Maxicosi dazu geholt, die Hunde haben sie kurz beschnuppert und zeigten erstmal wenig Interesse. Von Außen betrachtet vielleicht etwas unspektakulär aber authentisch und somit ein sehr gelungener Auftakt."

Neuer Alltag


Mit der Geburt eines Kindes verändert sich der Familienalltag grundlegend und es gibt veränderte Schlaf- und Ruherhythmen, ein insgesamt knapperes Zeitbudget und neue Routinen wie Wickeln, Stillen, Babytrage, Kinderwagen & Co. Das bedeutet auch für den Hund eine große Umstellung. Die gute Nachricht vorweg: Hunde können sich erstaunlich gut an neue Lebenssituationen anpassen – vorausgesetzt ihre Bedürfnisse bleiben im Blick.


Lisa: "Die Spazierrouten im letzten Trimester der Schwangerschaft musste ich im wahrsten Sinne des Wortes an die wachsenden Bedürfnisse meines Bauches anpassen. Beide Hündinnen sind bereits vor der Geburt an das Gehen neben dem Kinderwagen und an die Babytrage gewöhnt worden – einzeln und gemeinsam." 


Eva: "Ich habe versucht die Alltagsroutine unseres Hundes, vor allem die regelmäßigen Spaziergänge, auch nach der Geburt unserer Tochter beizubehalten. Hilfe von Familienmitgliedern ist gerade in den ersten Wochen nach der Geburt natürlich sehr wertvoll. Spazieren gehen mit dem Tragetuch erwies sich als win-win Situation. Ich hatte die Hände frei für den Hund und meine Tochter schlief meist seelenruhig."

Als Familie zusammenwachsen

Gerade in den ersten Wochen nach der Geburt sind Eltern oft erschöpft. Deshalb lohnt es sich, schon Unterstützung zu organisieren. Familie, Freunde oder gute Bekannte können Einkaufen gehen, Kochen oder sich zeitweise um den Hund kümmern. So bleiben dessen Bedürfnisse erfüllt und die frischgebackenen Eltern werden spürbar entlastet. 


Gastbeitrag Kind Hund
(c) Eva Burger

Eva: "Ich hatte das Glück nach der Geburt viel Unterstützung von meinem Mann zu haben, der im Homeoffice arbeiten konnte. Da ich nach der Geburt noch mit körperlichen Problemen zu kämpfen hatte, war es mir in den ersten Wochen nicht möglich mit unserem Hund spazieren zu gehen. Solange dies aber mein Mann oder ein anderes Familienmitglied übernahm, schien unser Hund zufrieden zu sein." 


Lisa: "Ich rate unbedingt dazu, das Familiennetzwerk und den Freundeskreis zu aktivieren. Ich habe zunächst das Kochen delegiert und die Gassirunden hat auch bei uns erstmals mein Mann übernommen."

Liebevolle Begleitung mit Grenzen

Schon sehr kleine Kinder zeigen oft großes Interesse an Hunden. Sie suchen aktiv die Nähe, sind aber motorisch noch unkoordiniert. Der Hund möchte naturgemäß von vielen der kindlichen Angebote wie z.B. am Fell reißen, Finger in die Nase stecken, Umarmen, etc. verschont bleiben. Auch wenn manche Hunde keine offensichtliche Abwehr zeigen, die stille Duldung kann wie bei jedem anderen Tier schnell in Flucht oder Selbstverteidigung umschlagen.

Sichere Interaktionen zwischen Kind und Hund können daher nur unter elterlicher Anleitung und in deren aufmerksamer Präsenz stattfinden!

Lisa: "Es war schön zu sehen, dass sich Zuneigung aufbaut, erste Kommunikation stattfindet, oder kurze spielerische Sequenzen. Auf unserer „Interaktionsdecke“ konnten Begegnungen stattfinden und der Hund die Decke aber jederzeit auch verlassen. Dann gab es eine Hundepause für das Baby."

Gastbeitrag Kind Hund Begegnungsdecke(c) Lisa Maria Glenk

Eva: "Unser Hund gewöhnte sich erstaunlich schnell an das neue Familienmitglied und nahm unsere Tochter meist gelassen zur Kenntnis. Erst als sie mit ca. 7-8 Monaten begann sich fortzubewegen und auf ihn zuzurobben, war er anfangs sichtlich irritiert. Auch hier bewährten sich das Abtrenngitter und gezielte gemeinsame Interaktionen mit dem Hund. Er lernte dann zum Glück recht schnell, dass Babys sich auch selbständig bewegen können :)"

Auch Hunde brauchen Zeit

Auch für den Hund ändert sich Grundlegendes mit der Geburt des Babys. Lautes Babygeschrei oder neue Alltagssituationen wie Wickeln oder Stillen können anfangs irritieren. Viele Hunde ziehen sich in solchen Momenten freiwillig zurück. Das ist völlig normal und sollte respektiert werden. Ein ruhiger Rückzugsort und Kaumaterial hilft dem Hund, Stress abzubauen und sich sicher zu fühlen. Dies gelingt leichter, wenn mittels Abtrenngitter oder Barrieren von Beginn an hundefreie bzw. auch kinderfreie Zonen geschaffen werden, wo Baby und Hund sich zwar noch sehen und hören können aber kein direkter Körperkontakt stattfindet.

Eva & Lisa: "Wir achteten von Anfang an darauf, dass unser Hund sich zurückziehen konnte, wenn er dies wollte. In der Wohnung versuchten wir unseren Kindern von Beginn an beizubringen, dass der Hund auf seiner Decke beim Schlafen und beim Fressen nicht gestört wird. Ganz kleine Kinder verstehen das natürlich noch nicht, weshalb ein Abtrenngitter zwischen Vorraum und Wohnzimmer hier sehr wichtig für uns war. Dies erleichterte auch den Umgang mit unserem Hund, wenn Besuch (d.h. oftmals mehrere Kinder) da war."

Und: Wenn es anfangs nicht gleich auf Anhieb klappt muss man da nicht alleine durch, denn es gibt sehr familienfreundliche Hundetrainer*innen, die einem mit gutem Rat zur Seite stehen. Wir empfehlen auf jeden Fall auf das Siegel „tierschutzqualifiziert“ zu achten, denn ein hektischer oder grober Umgang ist in der Begleitung von Hunden genauso hinderlich für Wachstum und Entwicklung wie es bei Kindern der Fall ist.

Vier goldene Regeln

  • Kinder und Hunde niemals unbeaufsichtigt lassen!

  • Echte elterliche Präsenz heißt aktiv Begleiten – das ist mehr als nur physisch anwesend sein!

  • Der Hund darf sich jederzeit zurückziehen!

  • Kinder lernen durch Imitation – wir sind Vorbilder im Schaffen von sicheren und positiven Erfahrungen!

Links: 
Hundesicherheitstraining für Schulklassen, Gruppen sowie Einzelsessions in Präsenz: www.hundesicherheitstraining.at
Online Fortbildungsreihe „Sicher mit Hund“:
www.lernwelt-hund.de/praxis-fortbildung/sicher-mit-hund/


Über die Autorinnen

Mag. Eva Burger ist Klinische- und Gesundheitspsychologin und Mutter von zwei Kindern. Ihr Hund hat sie und ihre Familie bis 2025 begleitet. Sie ist Mitbegründerin des Projekts Hundesicherheitstraining für Kinder und Jugendliche und interessiert sich für tiergestützes Training und Therapie.

Dr. Mag. Lisa Maria Glenk ist Neurowissenschaftlerin und Mutter in einer Familie mit zwei Hunden. Sie interessiert sich insbesondere für die Stärkung körpereigener Ressourcen und engagiert sich in der Forschung zur Mensch-Tier Beziehung. Weiters ist sie Mitbegründerin des Projekts Hundesicherheitstraining für Kinder und Jugendliche. Ihre beiden Therapiebegleithunde unterstützen Erwachsene, Kinder und Jugendliche bei Entspannungsübungen, Aufmerksamkeitsfokussierung und Stressbewältigung in ihrer Praxis: www.biofeedbackpraxis.at

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