Gesund & Satt

Die Eingewöhnung im Kindergarten hat überraschenderweise besser geklappt als gedacht und das Kind geht scheinbar gerne in den Kindergarten. Doch nach einigen Wochen verändert sich die Situation plötzlich: Das Kind weint, klammert, möchte nicht mehr hingehen oder klagt über Bauchschmerzen, um daheim bleiben zu können. Für viele Eltern kommt dieser Einbruch unerwartet - schließlich ist doch alles gut gelaufen. Wir haben uns mit Dr. Barbara Pramböck, systemische psychosoziale Beraterin und Elterncoach, darüber unterhalten.

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Warum kann es passieren, dass ein Kind nach einer zunächst gut verlaufenen Eingewöhnung plötzlich nicht mehr in den Kindergarten möchte? Was kann hinter diesem veränderten Verhalten stecken?

Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben und ist gar nicht so ungewöhnlich. Zu Beginn ist für viele Kinder alles neu und aufregend. Erst nach einiger Zeit wird ihnen möglicherweise bewusst, dass der Kindergarten nun dauerhaft zu ihrem Alltag gehört und sie regelmäßig für mehrere Stunden von ihren wichtigsten Bezugspersonen getrennt sind.

Manchmal zeigt sich auch erst nach Wochen, wie anstrengend diese Veränderung tatsächlich ist. Ein Kindergartenalltag bedeutet schließlich nicht nur Spielen, sondern auch viele neue Eindrücke, soziale Anforderungen und Regeln. Manche Kinder wirken zudem zunächst gut angepasst, obwohl sie innerlich noch sehr mit der neuen Situation beschäftigt sind. Auch Erkrankungen, Ferien oder Veränderungen in der Gruppe können neuerliche Trennungsschwierigkeiten auslösen.

Bei meiner eigenen Tochter war es beispielsweise ein Vorfall, bei dem sie von einem anderen Kind gebissen wurde. Das war kurz vor Weihnachten, nur wenige Wochen nach ihrem Kindergartenstart. Bis zu den Ferien ging sie noch problemlos in den Kindergarten, doch nach den Weihnachtsferien kam der Einbruch. Aus der Bindungs- und Eingewöhnungsforschung wissen wir, dass Kinder unterschiedlich viel Zeit brauchen, um sich in einer neuen Betreuungssituation sicher zu fühlen. Die Eingewöhnung ist kein Prozess, der immer gleichmäßig voranschreitet und Rückschritte können dazugehören.

Wenn ein Kind nach einer zunächst gut verlaufenen Eingewöhnung plötzlich nicht mehr in den Kindergarten möchte, sollten wir dieses Verhalten jedenfalls ernst nehmen und versuchen, die Gründe dafür zu verstehen. Denn kindliches Verhalten hat immer einen Hintergrund, auch wenn dieser für uns Erwachsene nicht sofort erkennbar ist.

Statt uns darauf zu konzentrieren, wie wir das Kind möglichst schnell wieder dazu bringen, in den Kindergarten zu gehen, sollten wir uns fragen: Was hat sich verändert? Was könnte mein Kind gerade belasten? Und was braucht es, um sich wieder sicher und wohlzufühlen?

Sollten Eltern an der Kindergartenroutine festhalten, auch wenn das Kind sich stark wehrt – und wann wäre es wichtig, zunächst genauer hinzuschauen?

Routinen und Verlässlichkeit geben Kindern grundsätzlich Sicherheit. Deshalb muss nicht jede schwierige Trennung bedeuten, dass ein Kind zu Hause bleiben sollte. Gleichzeitig halte ich wenig davon, eine Kindergartenroutine um jeden Preis durchzusetzen. Es kommt insgesamt sehr auf die Gesamtsituation an.

Tränen beim Abschied sind nicht automatisch ein Hinweis darauf, dass etwas falsch läuft. Kinder dürfen traurig sein, wenn sie sich von ihren Eltern verabschieden müssen. Entscheidend ist, ob sie dabei gut begleitet werden und sich anschließend wieder sicher fühlen können. Es macht zudem einen großen Unterschied, ob sich ein Kind von einer vertrauten Pädagogin trösten lässt und danach ins Spiel findet oder ob es über längere Zeit verzweifelt bleibt, sich zurückzieht oder kaum am Kindergartenalltag teilnehmen kann.

Wenn sich ein Kind plötzlich sehr stark gegen den Kindergartenbesuch wehrt oder nach dem Kindergarten ein deutlich verändertes Verhalten zeigt, würde ich jedoch rasch das Gespräch mit den Pädagog:innen suchen. Wie erlebt das Kind den Tag? Hat es eine vertraute Bezugsperson? Lässt es sich beruhigen? Gibt es Konflikte mit anderen Kindern oder Veränderungen im Kindergarten? Ein, zwei Tage Kindergartenpause können helfen, den Druck rauszunehmen. Das heißt nicht, dass Kinder dann automatisch lernen, dass sie nur „Theater“ machen müssen, um zu Hause bleiben zu können. Im Gegenteil: sie lernen dadurch eher, dass sie gehört werden in ihrer Not.

Mit meiner Tochter hatte ich beispielsweise vereinbart, dass sie sich gelegentlich einen Urlaubstag vom Kindergarten nehmen konnte, wenn ihr alles zu viel wurde und es sich bei mir beruflich einrichten ließ. Das gab ihr ein Stück Mitbestimmung und die Sicherheit, dass ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Eine solche Vereinbarung eignet sich allerdings eher für etwas ältere Kinder. Wichtig ist natürlich auch, dass sich die Eltern an die Abmachung halten.

Weiters sollten auch Veränderungen im Umfeld und Alltag zu Hause mitbedacht werden. Wir Erwachsenen haben manchmal nicht im Blick, dass vermeintliche Kleinigkeiten für unsere Kinder eine große Bedeutung haben und in Zeiten von großer Umstellung zu zusätzlicher Verunsicherung führen können. Meiner Tochter war es zum Beispiel sehr wichtig, dass wir immer den gleichen Weg zum Kindergarten nehmen. Jede Abweichung davon hat massiven Stress bei ihr ausgelöst.

Gastartikel Kindergarten eingewoehnt und ploetzlich geht nichts mehr Eindruecke(c) Curated Lifestyle

Weil kleine Dinge große Wirkung haben können, funktioniert das auch im Positiven oft sehr gut: eine entspannte(re) Morgenroutine, mehr Zeit beim Ankommen, eine bewusst gestaltete Übergabe, vorübergehend kürzere Betreuungstage, zusätzliche Beziehungsangebote durch eine vertraute Fachkraft, mehr Struktur und weniger Termine an den Nachmittagen können deutliche Verbesserungen bringen.

Auch die Sicherheit der Eltern spielt eine Rolle. Kinder nehmen häufig wahr, wenn ihre Eltern unsicher sind, ob diese im Kindergarten gut aufgehoben sind. Gleichzeitig können solche Zweifel natürlich durchaus berechtigt sein und sollten ernst genommen werden. Wenn Eltern großen Stress haben, dass ihre Kinder rasch „funktionieren“, weil sie es beruflich kaum einrichten können, erneut viel Zeit für den Kindergarten aufzuwenden, kann das ebenfalls den Prozess erschweren. Tatsächlich kommt es ziemlich oft vor, dass für die Eingewöhnung der Kinder zu wenig Zeit eingeplant wird (natürlich auch aus finanzieller Notwendigkeit heraus), was bei Schwierigkeiten im Eingewöhnungsprozess dann Stress verursacht, der sich auch auf die Kinder auswirken kann. Hier macht es Sinn zu schauen, ob eine vertraute Bezugsperson das Kind z.B. früher abholen oder gegebenenfalls auch wieder einzelne Eingewöhnungsschritte begleiten kann. Alles was Entspannung hineinbringt – auch auf Seiten der Eltern – hilft dem Prozess.

Bei meiner Tochter hatte ich großes Vertrauen in den Kindergarten und die Pädagoginnen. Das Gespräch mit der Kindergartenleitung war sehr konstruktiv und ich hatte das Gefühl, dass mein Kind wirklich gut begleitet wurde. Wir haben vorübergehend auch die Betreuungszeiten reduziert. Langfristig war das die richtige Entscheidung, auch wenn es kurzfristig eine Belastung für die ganze Familie bedeutete.

Leider sind nicht alle Kindergärten so kooperativ oder gehen ausreichend auf die Bedürfnisse der Kinder ein. Auch diese Erfahrung habe ich als Mutter gemacht, bevor wir den passenden Kindergarten gefunden hatten. Unsere Konsequenz war damals ein Kindergartenwechsel, der letztlich einfacher war als gedacht. Das ist natürlich nicht für jede Familie möglich, kann aber eine Überlegung wert sein. Ein Elterncoaching kann zudem helfen, die Situation zu sortieren, Unsicherheiten zu reflektieren und Klarheit für die nächsten Schritte zu gewinnen. Denn das Ziel ist nicht, dass das Kind möglichst schnell aufhört zu weinen, sondern dass es sich zunehmend sicher fühlt und den Kindergarten als einen guten Ort erleben kann.

Viele Kinder kommen bereits sehr jung in den Kindergarten und können noch nicht ausdrücken, was sie belastet. An welchen Veränderungen im Verhalten können Eltern erkennen, dass ihr Kind möglicherweise Unterstützung braucht? Und wie können sie darauf reagieren?

Kinder, auch ältere (!), können ihre Gefühle und Bedürfnisse noch nicht so ausdrücken wie Erwachsene – selbst wenn sie schon sprechen können. Stattdessen zeigen sie uns über ihr Verhalten, wie es ihnen geht. Das ist für Eltern nicht immer leicht zu verstehen und kann gerade nach einem anstrengenden Arbeitstag sehr herausfordernd sein.

So werden manche Kinder nach dem Kindergarten besonders anhänglich, brauchen viel Körperkontakt oder möchten ihre Eltern kaum aus den Augen lassen. Andere reagieren mit heftigen Wutausbrüchen, sind schneller frustriert oder wirken auffallend still und zurückgezogen.

Auch Veränderungen beim Schlafen, Essen oder bei bereits erworbenen Fähigkeiten können Hinweise auf Belastungen sein. Vielleicht möchte ein Kind plötzlich wieder getragen werden, wacht nachts häufiger auf oder braucht erneut Unterstützung bei Dingen, die schon gut funktioniert haben. Zusätzlich können körperliche Beschwerden auftreten.

All das muss nicht zwangsläufig mit dem Kindergarten zusammenhängen. Es sind aber Signale, die wir ernst nehmen sollten.

In meiner Elternarbeit ist mir besonders wichtig, nicht nur auf das sichtbare Verhalten zu schauen, sondern auf das, was möglicherweise dahinterliegt. Ein Kind, das nach dem Kindergarten wegen einer Kleinigkeit völlig verzweifelt ist, reagiert vielleicht gar nicht auf diese Kleinigkeit. Möglicherweise hat es den ganzen Tag sehr viel Energie gebraucht, um sich an die Anforderungen im Kindergarten anzupassen, und kann erst zu Hause, in der Sicherheit seiner vertrauten Beziehungen, seine Anspannung zeigen.

Eltern können ihr Kind unterstützen, indem sie nach dem Kindergarten bewusst Zeit für Verbindung schaffen. Das kann Kuscheln sein, gemeinsames Spielen, Bewegung oder einfach ein ruhiger Nachmittag ohne zusätzliche Termine. Nicht jedes Kind möchte sofort erzählen, was es erlebt hat. Gerade jüngere Kinder verarbeiten ihre Erfahrungen häufig eher im Spiel als im Gespräch.

Gastartikel Kindergarten eingewoehnt und ploetzlich geht nichts mehr Naehe(c) tabitha turner

Hilfreich ist auch, Gefühle in Worte zu fassen, ohne dem Kind etwas vorzugeben: „Ich merke, dass du heute ganz viel Nähe brauchst. War der Tag vielleicht anstrengend?“

Dabei geht es nicht darum, jedes Verhalten sofort erklären oder verändern zu müssen. Oft ist es zunächst wichtiger, dem Kind zu vermitteln: Ich sehe dich. Ich bin da. Du musst mit deinen Gefühlen nicht allein zurechtkommen.

Woran können Eltern erkennen, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende Phase handelt? Wann sollten sie das Gespräch mit dem Kindergarten suchen und wann kann zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein?

Ich würde Eltern grundsätzlich empfehlen, nicht erst zu warten, bis die Situation völlig eskaliert. Wenn ein Kind, das bisher gerne in den Kindergarten gegangen ist, plötzlich weint oder sich stark dagegen wehrt, ist das bereits ein guter Anlass, mit den Pädagog:innen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollte es nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um ein gemeinsames Verstehen der Situation. Eltern erleben ihr Kind zu Hause, die Pädagog:innen im Kindergarten. Beide Perspektiven sind wichtig und können sich ergänzen.

Als Eltern werden wir oft sehr emotional, wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Kinder nicht gut begleitet werden oder leiden. Wenn ich das weiß, dann macht es Sinn, eine neutrale Person zu Gesprächen mit den Pädagog:innen mitzunehmen, die beruhigend und ausgleichend wirkt.

Besonders aufmerksam würde ich werden, wenn sich die Schwierigkeiten über einen längeren Zeitraum verstärken, das Kind auch außerhalb des Kindergartens deutlich belastet wirkt oder körperliche Beschwerden, Schlafprobleme, starke Ängste oder ein ausgeprägter Rückzug hinzukommen. Auch wenn ein Kind im Kindergarten auffallend still und angepasst wirkt, zu Hause aber regelmäßig zusammenbricht, lohnt sich ein genauerer Blick. Ein Kind muss seine Überforderung nicht laut zeigen, um Unterstützung zu brauchen.

Es gibt dabei keine fixe Anzahl an Tagen oder Wochen, ab der man sagen könnte, dass etwas nicht mehr normal ist. Entscheidend sind die Intensität der Belastung, ihre Entwicklung und die Frage, ob das Kind mit entsprechender Unterstützung wieder mehr Sicherheit gewinnen kann. Zusätzliche Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn Eltern und Kindergarten gemeinsam nicht weiterkommen oder die Situation den Familienalltag zunehmend belastet. Ein Elterncoaching kann dabei helfen, die Signale des Kindes besser zu verstehen, eigene Unsicherheiten zu reflektieren und gemeinsam neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Bei anhaltenden körperlichen Beschwerden oder ausgeprägten psychischen Belastungssymptomen sollte auch eine kinderärztliche bzw. kinderpsychologische Abklärung erfolgen.

Mir ist wichtig: Eltern müssen nicht erst warten, bis ein großes Problem entstanden ist, um sich Unterstützung zu holen. Manchmal reichen schon wenige Gespräche, um eine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und wieder mehr Sicherheit im Umgang mit dem Kind zu gewinnen.

Wie können Eltern ihrem Kind vermitteln: „Ich nehme deine Gefühle ernst, aber ich traue dir trotzdem zu, dass du das schaffst“?

Wir Erwachsenen neigen manchmal dazu, schwierige Gefühle möglichst schnell auflösen zu wollen. Dann sagen wir Dinge wie „Du brauchst doch keine Angst zu haben“, „Es ist doch eh schön im Kindergarten“ oder „Du bist doch schon groß“.

Das ist meist gut gemeint, hilft Kindern aber oft wenig. Denn ihre Gefühle verschwinden nicht dadurch, dass wir ihnen erklären, warum sie diese eigentlich nicht haben müssten. Hilfreicher ist es, zunächst anzuerkennen, was gerade da ist: „Du möchtest heute lieber bei mir bleiben. Der Abschied fällt dir gerade wirklich schwer.“ Gleichzeitig können Eltern Orientierung und Zuversicht vermitteln: „Ich weiß, dass das gerade schwierig für dich ist. Wir schauen gemeinsam mit deiner Pädagogin, deinem Pädagogen was dir hilft, damit du dich hier wieder wohlfühlst.“

Das bedeutet nicht, dem Kind jede Herausforderung abzunehmen. Kinder dürfen Erfahrungen machen, an denen sie wachsen können. Sie brauchen dafür aber ausreichend Sicherheit und Unterstützung. Gerade kleine Kinder sind bei der Regulation starker Gefühle noch auf vertraute
Erwachsene angewiesen. Diese sogenannte Co-Regulation ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung ihrer eigenen Fähigkeit zur Emotionsregulation.

Zutrauen bedeutet deshalb nicht, ein Kind mit einer Herausforderung allein zu lassen, sondern ihm zu vermitteln: Ich glaube an dich und unterstütze dich dabei.

Die Balance zwischen Überforderung und Unterforderung ist dabei nicht immer leicht zu finden. Überforderung kann entstehen, wenn wir die Fähigkeiten eines Kindes zur Selbstregulation überschätzen oder die Anforderungen zu hoch sind. Umgekehrt kann übermäßige Schonung dazu führen, dass ein Kind wichtige Bewältigungserfahrungen nicht machen kann.

Hier spielt auch die Haltung der Eltern eine Rolle. Manchmal fällt es ihnen schwer, ihrem Kind etwas zuzutrauen oder Vertrauen in die Begleitung durch die Pädagog:innen zu entwickeln. Dahinter können eigene Erfahrungen, Ängste oder familiäre Prägungen stehen. Es kann hilfreich sein, diese Zusammenhänge in einem Elterncoaching genauer zu betrachten – vorausgesetzt natürlich, dass die Rahmenbedingungen im Kindergarten grundsätzlich passen. Ein Patentrezept gibt es nicht. Es braucht ein gemeinsames Ausprobieren, Beobachten und Anpassen, idealerweise in enger Abstimmung mit den Pädagog:innen. Manchmal bedeutet das auch, einen Schritt zurückzugehen, bevor der nächste Entwicklungsschritt möglich wird.

Was würden Sie Eltern sagen, die gerade jeden Morgen vor einem weinenden Kind stehen und das Gefühl haben, etwas falsch zu machen?

Zunächst würde ich ihnen sagen: Dass Ihr Kind beim Abschied weint, bedeutet nicht automatisch, dass Sie oder der Kindergarten etwas falsch gemacht haben. Und es bedeutet auch nicht, dass die Eingewöhnung gescheitert ist. Der Kindergarteneintritt ist ein großer Entwicklungsschritt – nicht nur für das Kind, sondern für die ganze Familie. Beziehungen, Abläufe und vertraute Sicherheiten verändern sich. Dass dieser Übergang nicht immer reibungslos verläuft, ist verständlich.

Gleichzeitig möchte ich Eltern bestärken, ihrer Wahrnehmung zu vertrauen und genauer hinzuschauen, wenn sie merken, dass ihr Kind stark belastet ist. Sie kennen ihr Kind besonders gut und ihre Beobachtungen sind wertvoll. Vielleicht hilft es auch, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass eine gute Eingewöhnung daran erkennbar ist, dass ein Kind möglichst schnell und ohne Tränen im Kindergarten bleibt. Viel wichtiger ist, dass es dort Beziehungen aufbauen kann, in denen es sich sicher, gesehen und angenommen fühlt.

Ich würde Eltern außerdem ermutigen, auch auf sich selbst zu schauen: Wie geht es mir mit der Trennung? Welche Sorgen oder Erwartungen begleiten mich? Fühle ich mich vom Kindergarten unterstützt?

Aus systemischer Sicht sind diese Fragen wichtig, denn die Gefühle, Bedürfnisse und Möglichkeiten aller Beteiligten sind Teil des Geschehens sind und beeinflussen sich gegenseitig.

Ein Elterncoaching kann helfen, diese Zusammenhänge zu erkennen, die eigene Rolle darin besser zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die sowohl das Kind als auch die Eltern entlasten.

Auch ich habe mir damals Unterstützung durch eine Elternberatung geholt. Denn selbst mit meinem fachlichen Hintergrund als Elternberaterin war es nicht leicht, die Situation mit dem nötigen Abstand zu betrachten. Der Blick von außen hat mir sehr geholfen, meine eigenen Unsicherheiten zu reflektieren und wieder mehr Klarheit zu gewinnen.

Und schließlich: Sie müssen nicht jeden Morgen die perfekte Reaktion finden. Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern Erwachsene, die bereit sind, hinzuschauen, zuzuhören, ihre Gefühle ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Eine gelungene Eingewöhnung ist kein Wettlauf in die Selbstständigkeit. Sie ist ein Beziehungsprozess, der Zeit, Vertrauen und manchmal auch Umwege braucht.


Über die Autorin

Dr. Barbara Pramböck begleitet in ihrer Praxis Herzsprech Frauen, Eltern und Familien mit systemischer psychosozialer Beratung. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt darauf, nicht nur aktuelle Belastungen zu betrachten, sondern auch familiäre und transgenerationale Muster sichtbar zu machen und neue Wege im Umgang damit zu entwickeln.

Wenn du dich in diesem Artikel wiedergefunden hast und dir mehr Entlastung, Klarheit und Raum für dich selbst wünschst, findest du auf www.herzsprech.at weitere Impulse, Blogartikel und Informationen zu Barbaras Beratungsangebot.

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