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Neurodivergenz-Special: Teil 1 Autismus
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Für Österreich gibt es bislang keine exakten Zahlen, aber Schätzungen zufolge gibt es rund 87.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer Autismus-Spektrum-Störung. Doch was verstehen wir unter einer Autismus-Spektrum-Störung und welche Symptome lassen mich erkennen, ob mein Kind neurodivergent sein könnte. Wir haben zu dem Thema Yvonne Laminger interviewt. Sie ist Kinder-, Jugend- und Familienpsychologin und leitet das pädagogische-psychologische Zentrum, kurz Päpsy, im 6. Bezirk.
Bedeutung von Neurodivergenz & Autismus-Spektrum-Störung
Neurodivergenz bedeutet, dass bestimmte Gehirnfunktionen eines Menschen deutlich anders arbeiten und somit von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Ausdrücken soll der Begriff eine neurologische Vielfalt mit unterschiedlichen Wahrnehmungen.
Autismus ist ein Spektrum. Grundsätzlich gibt es Auffälligkeiten in den Bereichen Soziale Interaktion und Kommunikation, der Wahrnehmung und dem Bereich der Interessen. Als Beispiel für Soziale Interaktion und Kommunikation kann genannt werden, dass Menschen im Autismus-Spektrum weniger lange Blickkontakt halten, Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen haben oder Mimik und Gestik eingeschränkt einsetzen. Oftmals ist der Sprachbeginn erst recht spät oder die Kinder beginnen gar nicht zu sprechen. Manche Kinder im Spektrum haben aber einen sehr gewählten Sprachausdruck und einen erwachsen anmutenden Wortschatz. Im Bereich der Wahrnehmung fällt immer wieder auf, dass Kinder bestimmte Kleidung auf ihrem Körper nicht aushalten oder z.B. Schwierigkeiten haben Konsistenzen von Speisen zu sich zu nehmen. Intensive Interessen wie z.B. für Dinosaurier, das Weltall werden immer wieder genannt. Ebenso zeigen viele Menschen im Autismus-Spektrum repetitive Verhaltensweisen wie z.B. Schaukeln, Flattern mit den Händen. Autismus-Spektrum ist eine grundlegende Andersartigkeit der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung.
Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Diagnose können oft ein intensives Spezialinteresse über einen längeren Zeitraum entwickeln, halten sehr an Strukturen fest, benötigen Routinen und können rasch durch Reize überfordert sein.
Symptome
Die sogenannten „Red Flags“, um zu erkennen ob ein Kind im Autismus-Spektrum ist:
- kein oder eingeschränkter Blickkontakt
- kein soziales Lächeln
- mangelhafte „joint attention“/Bezugnahme in der sozialen
Interaktion - wenig Mimik/Gestik, keine Zeigegeste
- keine Reaktion auf das Rufen des Namens
- keine sprachlichen Äußerungen
- keine 2-Wort-Sätze im Alter von 2 Jahren
- intensive Spezialinteressen
- Schwierigkeiten mit Veränderungen
- wenig „So-tun-als-ob“-Spiel
- wenig Interesse an oder Ablehnung von Gleichaltrigen
Allgemeines zur Diagnose & Vorgang der Diagnose
Eine Autismus-Spektrum-Diagnose kann bereits ab dem ersten Lebensjahr erfolgen.
Yvonne Laminger rät Eltern immer dazu eine psychologische Beratung aufzusuchen und dann gemeinsam mit der Psychologin/dem Psychologen zu entscheiden, was in der jeweiligen Situation am meisten Sinn macht. Dies kann eine Elternberatung, eine psychologische Diagnostik oder eine Therapie sein.
Bei einer Entwicklungsdiagnostik werden alle für das Alter relevanten Fähigkeiten wie z.B. Motorik, Sprache, Kognition, soziale und emotionale Fähigkeiten überprüft und mit Gleichaltrigen in Beziehung gesetzt, sodass ein Entwicklungsprofil entsteht, bei dem abgelesen werden kann, in welchen Fähigkeiten das Kind über-, unter- oder durchschnittliche Kompetenzen aufweist.
Therapien & Förderungen
Förderungen und Therapien können ganz unterschiedlich aussehen und werden immer an das jeweilige Kind angepasst. Dies kann von Spieltherapie über Wahrnehmungsförderung bis hin zu Kompetenztrainings in den jeweiligen Bereichen führen. Sinnvoll ist es auch, immer Unterstützungsmöglichkeiten für das häusliche Umfeld und den Kindergarten oder die Schule bereitzustellen, damit alle an einem Strang ziehen.
Ihr habt weitere Fragen? Dann meldet euch gerne bei Päpsy.
Neurodivergenz-Special: Teil 2 ADHS (Interview mit Yvonne Laminger von Päpsy)
Neurodivergenz-Special: Teil 3 Alltag mit neurotypischen Kindern (Interview mit Karoline Seniowska, Elementarpädagogin im Autistums-Spektrum)
Hier noch einige Links für euch zum Nachlesen:
www.autistenhilfe.at
www.autismus-verstehen.de/magazin.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Autismus
https://flexikon.doccheck.com/de/Autismus
https://www.autismus.de/was-ist-autismus.html